netzeitung.de«taz»-Satire verärgert polnische Regierung

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Lech Kaczynski (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lech Kaczynski
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Es wird spekuliert, warum Polens Präsident Kaczynski ein Treffen mit Kanzlerin Merkel abgesagt hat. Offiziell gilt eine Krankheit als Grund. Polnische Zeitungen wollen dagegen den wahren Anlass kennen.

Der polnische Präsident Lech Kaczynski hat seine Teilnahme am Treffen des «Weimarer Dreiecks» nach Angaben der Regierung in Warschau nicht wegen einer Satire in der «tageszeitung» («taz») abgesagt. Kaczynski sei über den Artikel mit dem Titel «Polens neue Kartoffel» zwar verärgert gewesen, sagte Unterstaatssekretär Andrzej Krawczyk am Dienstag. Grund für sein Fernbleiben sei jedoch eine Erkrankung gewesen.

Polnische Medien hatten spekuliert, Kaczynski sei aus Ärger über den «taz»-Artikel nicht nach Weimar gekommen.
Kaczynski «Schurken» genannt
Kaczynski sollte dort am Montag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac zusammentreffen, ließ sich aber wenige Stunden vor Beginn des Gipfels entschuldigen. Der Präsident werde vermutlich in zwei oder drei Tagen wieder gesund sein, hatte Krawczyk am Montag erklärt. Einzelheiten zu Kaczynskis Erkrankung nannte er nicht.

Die «taz» hatte am vergangenen Montag ein längeres satirisches Porträt von Kaczynski veröffentlicht unter der Rubrik «Schurken, die die Welt beherrschen wollen». Darin heißt es unter anderem, der polnische Präsident kenne nach eigenem Bekunden «von Deutschland nicht mehr als den Spucknapf in der Herrentoilette des Frankfurter Flughafens».

Premier findet Satire befremdlich
Der polnische Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz kritisierte die Veröffentlichung als befremdlich. Es sei schwer vorstellbar, dass in Polen ein solcher Text über den Präsidenten eines anderen Landes gedruckt würde, sagte Marcinkiewicz im Fernsehen.

Nach Angaben eines Regierungssprechers in Berlin soll der Gipfel des «Weimarer Dreiecks» zum frühestmöglichen Zeitpunkt nachgeholt werden. Die Begegnungen in diesem Kreis gehen auf ein Treffen der damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas und Krzysztof Skubiszewski 1991 zurück. Ziel der jährlichen Konsultationen ist es, gemeinsame Grundinteressen zu definieren und die trilateralen Beziehungen als Motor der europäischen Integration zu nutzen. (nz)