Nach Interview brutal verprügelt: Chinesischer Menschenrechtler gelähmt: 

netzeitung.deChinese nach ARD-Interview brutal verprügelt

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Sprengung am Drei-Schluchten-Damm (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sprengung am Drei-Schluchten-Damm
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In China ist ein Aktivist nach einem Interview mit dem ARD- Fernsehen zusammengeschlagen worden. Es ging um einen Staudamm. Die Wirbelsäule das Mannes wurde bei der Attacke verletzt.

Ein chinesischer Aktivist, der in einem ARD-Bericht über den umstrittenen Drei-Schluchten-Damm mangelnde Entschädigung für die Umsiedlung beklagt hatte, ist brutal zusammengeschlagen und schwer verletzt worden. Das Studio des Ersten Deutschen Fernsehens in Peking berichtete, Fu Xiancai sei nach der Attacke am vergangenen Donnerstag (8. Juni) offenbar die Wirbelsäule angebrochen.

Laut Angaben der Menschenrechtsgruppe Human Rights in China (HRiC) ist Fu Xiancai nun von den Schultern abwärts gelähmt. Er sei auf dem Rückweg von einem Polizeiverhör wegen des Interviews von einem Angreifer mit einem schweren Objekt von hinten niedergeschlagen worden. Ihm seien Halswirbelknochen gebrochen. Der Aktivist habe mehrfach Todesdrohungen erhalten und sei unter Androhung von Gewalt aufgefordert worden, seine Proteste gegen die Umsiedlung für das Staudammprojekt am Jangtse-Strom in Zentralchina einzustellen.

NDR-Intendant protestiert
Das Krankenhaus in Yichang wolle die weitere Behandlung einstellen, falls die Familie nicht die Kosten von 80.000 Yuan (8000 Euro) zahle. Seine Angehörigen könnten aber nur 7000 Yuan (700 Euro) aufbringen. Das ARD-Studio bemüht sich, Kontakt aufzunehmen und der Familie Geld für die medizinische Behandlung zukommen zu lassen.

Der Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Jobst Plog, hat wegen der Attacke beim chinesischen Botschafter in Berlin protestiert. In dem Schreiben fordert Plog den Botschafter Ma Canrong auf, «alles in Ihren Kräften Stehende zu veranlassen, dass dem schwer verletzten Fu Xiancai jede notwendige und mögliche medizinische Versorgung zuteil wird». Es stehe «außer Zweifel», dass der Überfall ein «Racheakt unter anderem wegen seiner Äußerungen im Deutschen Fernsehen» gewesen war, schrieb Plog.

«Schwerstens verletzter» Bürger
Als federführende Anstalt der ARD bei den Olympischen Spielen 2008 sei es für den NDR umso bedrückender, «dass ein chinesischer Bürger schwerstens verletzt worden ist, weil er sich in einem Programm der ARD sachlich zu Wort gemeldet hat». Der Intendant fügte hinzu: «Das verheißt nichts Gutes für die von uns beabsichtigte Intensivierung unserer Berichterstattung während der Olympischen Spiele 2008.»

In dem Mittagsmagazin- und Tagesthemen-Bericht am 19. Mai über den Abschluss der Bauarbeiten für den umstrittenen Staudamm am Jangtse- Strom hatte Fu Xiancai beklagt, er habe wie viele andere Menschen nicht die versprochenen Entschädigungen für die Umsiedlung bekommen. «Ich war 15-mal in Peking, um mich bei der Zentralregierung zu beschweren, über 50-mal bei der Orts- und Provinzverwaltung. Nie wurde mir geholfen. Im Gegenteil: Ich wurde bedroht und geschlagen.» Das ARD-Studio in Peking hatte das Interview-Material angeboten bekommen und für seinen Bericht verwendet. (nz)