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USA sehen Guantanamo-Suizide als Kriegsakt

11. Jun 2006 09:08, ergänzt 09:34
Zellen im Lager Guantánamo
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Besorgt hat US-Präsident Bush auf die Selbstmordfälle von Guantánamo reagiert. Das Militär wertet sie als Kriegshandlung. In dem US-Gefangenenlager hatten sich drei Insassen mit Kleidung und Bettlaken erhängt.

US-Präsident George W. Bush zeigt sich «ernsthaft besorgt» über den Selbstmord von drei Häftlingen im Gefangenenlager Guantánamo. US-Außenministerin Condoleezza Rice habe den Präsidenten über die Selbsttötungen informiert, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Die USA hätten auch verbündete Staaten in Kenntnis gesetzt.

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Wie die US-Regierung bekannt gegeben hatte, erhängten sich zwei Männer aus Saudi-Arabien und ein Jemenit mit Kleidungsstücken und Bettlaken. Laut Militärangaben sind es die ersten Vorfälle dieser Art, seit das Lager als Gefängnis genutzt wird. Die USA sperrten 2002 die ersten Gefangenen in die von Fotos und Videobildern her bekannten Drahtkäfige.

In dem Lager auf Kuba halten die USA noch immer hunderte Männer unter dem Verdacht fest, Kontakte zu Al Qaeda oder zur afghanischen Taliban zu haben. Lediglich gegen zehn der derzeit rund 460 Insassen wurde bislang formell Anklage erhoben. Erst am Freitag hatte sich der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen wie zuvor schon Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Treffen mit US-Präsident Bush für eine Schließung des Gefängnisses eingesetzt.

Hungerstreik

Die US-Armee bewerte die Selbstmorde als Akt der Kriegsführung gegen die Vereinigten Staaten. Die drei Insassen seien «gerissen und kreativ», die Tat sei eindeutig eine geplante und keineswegs eine spontane Aktion, sagte der Kommandeur des Guantánamo-Sonderkommandos. Ihnen fehle die Achtung vor dem Leben, dem anderer und dem eigenen, hieß es. Der Chef des Süd-Kommandos, John Craddock, verteidigte die Existenz des Lagers. Die Menschen dort seien in Gewahrsam, weil sie anhaltende Gefahr darstellten. «Dies sind keine gewöhnlichen Kriminellen», sagte der Kommandeur. Er betonte weiter, alle Gefangenen würden human behandelt.

Anfang Juni hatte die Armee erklärt, dass 89 der Insassen in den Hungerstreik getreten seien. Anwälte der Betroffenen sagten, damit wollten sie ihre Freilassung erreichen. Die Armee interpretierte den Hungerstreik damals als Versuch, Medienaufmerksamkeit zu erlangen.

Äußerster Respekt

Es ist demnach das erste Mal, dass Gefangenen in dem Lager der Selbstmord gelang, nachdem laut Militärangaben bereits zuvor 25 Häftlinge insgesamt 41 Mal versuchten, sich aus Protest gegen ihre Inhaftierung und ihre Haftbedingungen das Leben zu nehmen. Am 18. Mai hatte es in Guantánamo Bay einen Aufstand gegeben. Ein Häftling täuschte einen Selbstmord vor und lockte damit Wärter in seine Zelle, wo sie dann von einer Gruppe von Gefangenen attackiert wurden.

Wie Kommandochef Craddock weiter sagte, würden die drei Toten mit «äußerstem Respekt« behandelt. Das Militär habe einen Berater für muslimische Kultur hinzugezogen, um sicherzustellen, dass die Leichen entsprechend der religiösen Tradition der Häftlinge behandelt würden. Das US- Außenministerium habe sich mit den jeweiligen Regierungen der Heimatländer in Verbindung gesetzt. Zudem sei eine Untersuchung der Vorgänge eingeleitet. (nz)

 
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