US-Geheimdienst sammelte massenhaft Daten
11.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die drei großen US-Telefongesellschaften AT&T, BellSouth und Verizon haben der «USA Today» zufolge nach den Terroranschlägen vom 11. September die NSA mit Informationen ihrer rund 200 Millionen Kunden gefüttert. Die Datensammlung beinhalte keine Aufzeichnungen von Telefongesprächen, sondern nur Verbindungsdaten. Es sei dem Geheimdienst darum gegangen, mit Hilfe der Daten verdächtigen Aktivitäten auf die Spur zu kommen. «Das ist die größte Datenbank, die jemals auf der Welt erstellt wurde», zitierte die «USA Today» einen der Informanten, die aber nicht näher identifiziert werden wollten.
«Will mir jemand erzählen, dass zig Millionen Amerikaner etwas mit Al Qaeda zu tun haben?», kritisierte aufgebracht der demokratische Senator Patrick Leahy (Vermont). Das seien Millionen Amerikaner, die «für rein gar nichts verdächtig sind.» Es sei eine «Schande», dass der Kongress so wenig wisse und bereit sei, alles zu billigen, was diese Regierung tue.
Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien sieht eine drohende Verfassungskrise in den USA kommen. Mit den Überwachungsmaßnahmen der NSA würden Verfassungsrechte verletzt, sagte Feinstein. Der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Senat, der republikanische Senator Arlen Spector aus Pennsylvania kündigte eine Anhörung der Telefongesellschaften in dem Gremium an.
Bush war im Dezember 2005 wegen zahlreicher Lauschangriffe der NSA vom US-Kongress heftig kritisiert worden. Der Präsident verteidigte die richterlich nicht genehmigten Lauschangriffe mit dem Kampf gegen den Terrorismus. Auch republikanische Volksvertreter hatten dieses Vorgehen als verfassungsrechtlich sehr problematisch bezeichnet. (nz)

