netzeitung.deIran will erstmals Uran angereichert haben

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Mahmud Ahmadinedschad (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mahmud Ahmadinedschad
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Irans umstrittenes Atomprogramm ist offenbar einen Schritt weiter. Präsident Ahmadinedschad sieht sich bereits im «Club der Nuklearstaaten« angekommen. Die USA wertet das eher als «offene Herausforderung».

Der Iran hat nach eigenen Angaben sein international kritisiertes Atomprogramm vorangetrieben. Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte am Dienstagabend in einer Fernsehansprache, iranische Wissenschaftler hätten am Sonntag erstmals Uran für die Herstellung von Kernbrennstoff angereichert. «Ich erkläre förmlich, dass der Iran dem Club der Nuklearstaaten beigetreten ist», sagte er vor hochrangigen Militärkommandeuren und Klerikern in der Heiligen Stadt Maschad. Die Anreicherung sei ein «historischer Erfolg».

Laut Expräsident Haschemi Rafsandschani sei eine erste Einheit von 164 Zentrifugen zum Einsatz gebracht worden. Rafsandschani leitet den einflussreichen «Rat der Sittenwächter» im Iran. Er äußerte sich in einem Interview mit der kuwaitischen Nachrichtenagentur KUNA. Ahmadinedschad sagte, das Uran sei bis zu einem Grad angereichert worden, der für den Brennstoffkreislauf erforderlich ist.

USA kritisiert «trotzige Aktion»
Der iranische Präsident kündigte an, sein Land wolle das Nuklearprogramm unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und gemäß den Regeln des Atomwaffensperrvertrags betreiben. «Unsere Nation bezieht ihre Stärke nicht aus Atomwaffenarsenalen», betonte Ahmadinedschad. Zugleich warnte er den Westen unter Anspielung auf den Irak-Konflikt: «Wir raten dem Westen aufrichtig, die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit nicht zu wiederholen und das international anerkannte Recht des Irans auf die Entwicklung der Nukleartechnologie zu respektieren.» Nichts könne das zivile Nuklearprogramm des Irans aufhalten, betonte der Präsident.

Die USA kritisierten die Erfolge des Irans bei der Anreicherung von Uran als «Schritt in die falsche Richtung». Die Entwicklung unterstreiche die Sorgen der internationalen Gemeinschaft über die Nuklearambitionen des Irans, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. «Trotzige Stellungnahmen und Aktionen isolieren das Regime nur noch weiter vom Rest der Welt», warnte er. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, sagte, der Iran fordere mit seinem Nuklearprogramm die Welt offen heraus.

Erster Schritt für größere Produktion
Die Urananreicherung kann der Herstellung von Kernbrennstoff, aber auch von atomwaffentauglichem Material dienen. Um ausreichende Mengen Uran für eines dieser beiden Ziele anzureichern, wären mehrere tausend Zentrifugen erforderlich. Der erfolgreiche Betrieb von 164 Zentrifugen, die eine Einheit bilden, ist aber der erste Schritt für eine Produktion in größerem Umfang.

Rafsandschani räumte in dem Interview entsprechend ein, für eine voll funktionsfähige Anlage zur Urananreicherung seien «Dutzende solcher Einheiten» von je 164 Zentrifugen erforderlich. Bis Jahresende sollen aber 3000 Zentrifugen im Einsatz sein.

Der UN-Sicherheitsrat hat den Iran am 29. März aufgefordert, die Arbeiten zur Urananreicherung bis spätestens 28. April einzustellen. Noch in dieser Woche wird der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohamed el-Baradei, in Teheran erwartet. (nz)