11.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Romano Prodi
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Oppositionschef Prodi hat sich in Rom zum Wahlsieger erklärt. Im Abgeordnetenhaus liegt er hauchdünn vor Berlusconi. Und auch den Senat hat das Mitte-links-Bündnis Prodis wohl gewonnen.
Das Mitte-links-Bündnis des italienischen Oppositionsführers Romano Prodi hat laut vorläufigen Ergebnissen nicht nur das Abgeordnetenhaus knapp gewonnen, sondern liegt auch im Senat vorn. Nach Auszählung fast aller Stimmen der im Ausland lebenden Italiener - sie waren zuletzt wahlentscheidend - gewann Prodi vier der sechs Sitze, über die die Auslandsitaliener entschieden.
Das Innenministerium hält sich jedoch noch zurück und erklärte am Nachmittag keinen Sieger.
Prodi hatte schon in den frühen Morgenstunden zum Sieger der Wahl erklärt. Sein Bündnis sei für eine fünfjährige Regierungszeit gewappnet, sagte er dann am Mittag, als ein Vorsprung im Senat möglich schien. «Wir können fünf Jahre lang regieren», sagte Prodi am Dienstag in Rom. Er sehe sich als neuer Ministerpräsident. «Wir haben gewonnen.»
Vor Auszählung der Wähler im Ausland lag das Lager von Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit 155 zu 154 Sitzen noch um ein Mandat vor der Opposition. Für das Abgeordnetenhaus erreichte Prodi 49,8 Prozent der Stimmen, während Berlusconis Haus der Freiheiten 49,7 Prozent erhielt.
Der Privatsender Sky Italia meldete am Vormittag, Prodis Linksbündnis habe im Senat die Chance auf 158 Sitze, das Lager von Berlusconi nur 156.
Laut dem vorläufigen Endergebnis erreichte Prodis Bündnis 49,8 Prozent der Stimmen für das Abgeordnetenhaus, während Berlusconis «Haus der Freiheiten» 49,7 Prozent erhielt. Dem neuen Wahlrecht zufolge erhält der Sieger automatisch 55 Prozent der Sitze in der ersten Parlamentskammer, das wären 340 von 630 Abgeordneten.
Berlusconis Sprecher Paolo Bonaiuti sagte, die Stimmen bei der Wahl zum Unterhaus müssten noch einmal gezählt werden. Die Differenz liege bei weniger als 25.000 Stimmen. «Das Mitte-rechts-Bündnis bestreitet, dass Mitte-links gewonnen hat», sagte er nach der Erklärung Prodis. Das Berlusconi-Lager forderte, vor allem die rund 500.000 ungültigen Stimmzettel noch einmal genauer zu untersuchen.
Beide Häuser des Parlaments haben die gleichen Befugnisse. Bei einem Patt hätte es eine Regierung sehr schwer, und dies umso mehr bei so knappen Mehrheiten. Daher gab es Stimmen in beiden Lagern, die bei unterschiedlichen Mehrheiten in beiden Häusern des Parlaments Neuwahlen forderten.
Zunächst hatte es nach Schließung der Wahllokale so ausgesehen, als habe Prodi die Parlamentswahl in Italien gewonnen. Das waren jedoch nur Prognosen. Als die Stimmen fast alle ausgezählt waren, sah es anders aus: Prodis Bündnis lag am Montagabend im Abgeordnetenhaus nur noch knapp vor Berlusconis. Im Senat lag sogar Berlusconi vorn. Die Wahlbeteiligung lag bei 84 Prozent. (nz)