Weißrussland: Polizei nimmt Oppositionsführer fest:
Polizei nimmt Oppositionsführer in Minsk fest
Zuvor hatte es geheißen, Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch sei in Haft, der Ex-Präsidentschaftskandidat dementierte jedoch kurze Zeit später. Lediglich seinen Pressesprecher habe die Polizei ergriffen. Trotz des massiven Polizeiaufgebots hatten zuvor tausende Oppositionsanhänger in Weißrussland gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko protestiert.
Der zentrale Oktober-Platz wurde von schwarz gekleideten Sondereinsatzkräften bewacht, die die Demonstranten vom Betreten des Platzes abhielten. In Bussen trafen weitere Polizisten ein. Hunderte Demonstranten wurden von den Sicherheitskräften in eine Straße abgedrängt. Die Polizei prügelte auf mehrere Demonstranten ein. Die Gruppe schrie den Polizisten «Faschisten» entgegen. Zwei offenbar schwer verletzte Demonstranten wurden in einem Rettungswagen weggebracht. Vier Explosionen waren zu hören. Etwa 1.000 Demonstranten waren nach dem Abschluss der Hauptkundgebung auf dem Weg zu einem Gefängnis, in dem Oppositionsanhänger inhaftiert sind.
Milinkewitsch versuchte die Abgedrängten zu erreichen, wurde aber von den Sicherheitskräften zunächst daran gehindert. Eine weitere Gruppe Demonstranten traf sich in einer Straße, etwa zwei Kilometer vom Oktober-Platz entfernt.
«Wir planen keine Gewalt. Ich hoffe, die Behörden verstehen das», sagte Milinkewitsch dann vor dem Gefängnis, in das am Freitag zahlreiche Oppositionsanhänger gebracht worden waren. Zu dem Gebäude schafften es rund 100 Angehörige der Festgenommenen. Die Polizei löste auch diese Veranstaltung auf und führte Demonstranten ab. Fernsehsender zeigten Bilder von Verletzten, die blutend am Boden liegen.
Die Oppositionspolitikerin Ljudmila Grjasnowa von der Vereinigten Bürgerpartei rief den Westen auf, den Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen der Weißrussland-Politik des Kremls zu erhöhen. Putin dürfe nicht mehr den Vorsitz der G8- Industriestaaten in diesem Jahr innehaben, forderte Grjasnowa. Der Kremlchef hatte in einem Glückwunsch-Telegramm an Lukaschenko geschrieben, die Ergebnisse der Wahl seien ein Beweis dafür, dass das Volk dem Kurs des Präsidenten vertraue.
Wenn die Europäische Union und auch die Regierung der USA das weißrussische Volk schätzten, müsse auch dessen Entscheidung für Präsident Alexander Lukaschenko respektiert werden, forderte der Außenamts-Sprecher. Lukaschenko war mit rund 83 Prozent der Stimmen offiziell zum Wahlsieger erklärt worden. Der Westen hatte die Wiederwahl des autoritär regierenden Staatschefs als nicht fair kritisiert. Bereits seit 1997 dürfen Lukaschenko und dessen engste Gefolgsleute nicht mehr in die Länder der EU reisen.
US-Präsident George W. Bush wandte sich in einer persönlichen Botschaft an die Bevölkerung Weißrusslands. «Ich sende meine Grüße an jene, die sich für die Rückkehr der Freiheit in Weißrussland einsetzen», sagte Bush am Freitagabend in Washington. Er verurteilte die Räumung eines Protestlagers in Minsk durch die weißrussischen Sicherheitskräfte. Die Gedanken der Vereinigten Staaten seien mit allen Menschen, die verfolgt, inhaftiert und geschlagen worden seien. (nz)
