21.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Anschläge vom Elften September
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während des Moussaoui-Prozesses hat ein FBI-Beamter schwere Vorwürfe gegen seine Vorgesetzten erhoben. Sie hätten seinen Verdacht, Terroristen planten eine Flugzeugentführung, vor dem 11. September 2001 mehrfach ignoriert.
Ein Beamter des US-Bundeskriminalamts FBI hat vor dem 11. September 2001 seine Vorgesetzten mehr als 70 Mal vor der Gefahr einer Flugzeugentführung durch Terroristen gewarnt, ohne auch nur einmal Gehör zu finden. Was immer er unternommen habe, um Unterstützung zu finden, sei im Nichts verlaufen, sagte der FBI-Mitarbeiter Harry Samit im Prozess gegen den Terroristen Zacarias Moussaoui aus. Seine Warnungen ergaben sich aus dem Verhör Moussaouis.
Moussaoui, der in den USA Flugstunden genommen hatte, war im August 2001 festgenommen worden. In dem Verfahren in Alexandria bei Washington geht es lediglich um die Festsetzung des Strafmaßes - lebenslange Haft oder Hinrichtung, da sich Moussaoui zuvor selbst in wesentlichen Anklagepunkten schuldig bekannt hat. Nach eigenen Angaben war er nicht in die Attacken vom 11. September verwickelt, sondern sollte in einer zweiten Anschlagswelle ein Flugzeug ins Weiße Haus steuern.
«Genügend Hinweise»Die Ankläger plädieren auf die Todesstrafe und argumentieren hauptsächlich, dass Moussaoui die Pläne für die Anschläge vom 11. September kannte und sie durch «Ehrlichkeit» nach der Festnahme hätte verhindern können. Die Verteidigung hält dem entgegen, dass den US-Behörden vor dem 11. September genügend Hinweise auf die Anschläge vorlagen, aber trotzdem nichts unternommen wurde.
Dieses Argument der Moussaoui-Anwälte wird laut Medienberichten vom Dienstag durch die Aussage des FBI-Agenten gestützt. Er hatte Moussaoui nach der Festnahme verhört und wurde sich eigenen Angaben zufolge zunehmend sicherer, dass Moussaoui eine Flugzeugentführung plante. Er habe aber auf seine mehrfachen Anträge, Moussaouis Computer untersuchen zu dürfen, entweder keine Antwort erhalten - oder seine Vorstöße seien auf Grund von «Formfragen» zurückgewiesen worden, sagte Samit aus. Er bescheinigte seinen Vorgesetzten daher «kriminelle Fahrlässigkeit».
Die Anklage hatte den FBI-Beamten als Zeugen aufgerufen, um nachzuweisen, dass Moussaoui während der Vernehmungen gelogen habe. Im Kreuzverhör durch die Verteidigung nahm die Zeugenaussage dann eine andere Wendung. (nz)