Nach TV-Duell: Streit in Berlusconis Bündnis
Der Vorsitzende der rechten Nationalen Allianz (AN), ein kühler, scharfsinniger Intellektueller, warf Berlusconi vor, als Blender aufgetreten zu sein. Der Premier habe den Eindruck erwecken wollen, alles sei in Ordnung, zitiert die Zeitung «La Repubblica» Fini. Den zahlreichen noch unentschlossenen Wählern in Italien sei jedoch bewusst, dass das Land viele Probleme habe.
Wenig schmeichelhafte Worte fand Fini auch für Prodi: Der Kandidat des Wahlbündnisses «Unione» sei so «apathisch, platt und grau, wie die Zukunft, die er darlegt», meinte er. Politische Beobachter sind sich allerdings einig, dass Prodis Mangel an Charisma allein nicht ausreicht, um dem konservativen Regierungsbündnis «Haus der Freiheiten» (CdL) einen Vorsprung bei den Wählern zu sichern.
1996 war Prodi nach einem Wahlsieg über Berlusconi Ministerpräsident geworden. Fünf Jahre später kehrte Berlusconi nach einem aufwändigen Wahlkampf an die Macht zurück.
Der Ministerpräsident, der die inzwischen am längstem amtierende italienische Regierung seit dem Zweiten Weltkrieg anführt, fasst die Kritik aus den eigenen Reihen als Verrat auf. «Sie verlassen das Schiff, weil sie denken, wir gehen unter», empört sich Berlusconi. «Dabei haben sie nicht verstanden, dass, wenn ich untergehe, auch sie untergehen werden.» Zugleich betonte der Premier, dass er in jedem Fall an der Spitze des CdL bleiben werde: «»Auch wenn ich die Wahlen verliere, gehe ich nicht.«
Die Spannungen mit seinen engsten Bündnispartnern machen deutlich, wie sehr Berlusconi mit dem Rücken zur Wand steht. Fini und Casini wollten ihn nach der Wahl in die Wüste schicken und seinen Platz einnehmen, so der Regierungschef. «Offensichtlich haben sie mich aber noch nicht kennen gelernt.» Ob es Berlusconi gelingt, den Wahlkampf doch noch in die von ihm gewünschten Bahnen zu lenken, wird sich nun bei seinem zweiten TV-Duell mit Prodi am 3. April zeigen.
Für das Web ediert von Corina Kolbe

