netzeitung.deNach TV-Duell: Streit in Berlusconis Bündnis

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Silvio Berlusconi (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Silvio Berlusconi
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Nach dem Fernsehduell mit seinem Herausforderer Prodi wird Regierungschef Berlusconi auch in den eigenen Reihen scharf kritisiert. Seine Gegner fordern einen Generationswechsel.

Aus dem Fernsehduell mit dem Links-Kandidaten Romano Prodi ist der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach Ansicht vieler Kommentatoren nicht eben als Sieger hervorgegangen. Drei Wochen vor den Wahlen am 9. und 10. April gerät er nun auch in seiner eigenen Koalition verstärkt unter Druck.

Zwar behauptet der Medienprofi Berlusconi, den Schlagabtausch mit dem Professor aus Bologna klar für sich entschieden zu haben. Wichtige Bündnisgenossen sehen das aber anders. Vize-Regierungschef und Außenminister Gianfranco Fini brachte es auf den Punkt: «Silvio, Du hast Fehler gemacht.»

Der Vorsitzende der rechten Nationalen Allianz (AN), ein kühler, scharfsinniger Intellektueller, warf Berlusconi vor, als Blender aufgetreten zu sein. Der Premier habe den Eindruck erwecken wollen, alles sei in Ordnung, zitiert die Zeitung «La Repubblica» Fini. Den zahlreichen noch unentschlossenen Wählern in Italien sei jedoch bewusst, dass das Land viele Probleme habe.

Wenig schmeichelhafte Worte fand Fini auch für Prodi: Der Kandidat des Wahlbündnisses «Unione» sei so «apathisch, platt und grau, wie die Zukunft, die er darlegt», meinte er. Politische Beobachter sind sich allerdings einig, dass Prodis Mangel an Charisma allein nicht ausreicht, um dem konservativen Regierungsbündnis «Haus der Freiheiten» (CdL) einen Vorsprung bei den Wählern zu sichern.

«Debatte über die Vergangenheit»
Berlusconi habe bei dem Duell eine Chance vertan, urteilte auch der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Pierferdinando Casini, einer der führenden Vertreter der Udc. Mit Prodi habe der Regierungschef eine «Debatte der Vergangenheit über die Vergangenheit» geführt. Die Zukunft Italiens und die Probleme der Menschen im Land seien darin nicht vorgekommen. Ähnlich äußerte sich der frühere Udc-Vorsitzende Marco Follini: Berlusconi und Prodi hätten das Italien von 1996 mit dem von 2001 verglichen. Von 2006 sei dagegen nicht die Rede gewesen.

1996 war Prodi nach einem Wahlsieg über Berlusconi Ministerpräsident geworden. Fünf Jahre später kehrte Berlusconi nach einem aufwändigen Wahlkampf an die Macht zurück.

Der Ministerpräsident, der die inzwischen am längstem amtierende italienische Regierung seit dem Zweiten Weltkrieg anführt, fasst die Kritik aus den eigenen Reihen als Verrat auf. «Sie verlassen das Schiff, weil sie denken, wir gehen unter», empört sich Berlusconi. «Dabei haben sie nicht verstanden, dass, wenn ich untergehe, auch sie untergehen werden.» Zugleich betonte der Premier, dass er in jedem Fall an der Spitze des CdL bleiben werde: «»Auch wenn ich die Wahlen verliere, gehe ich nicht.«

Berlusconis Macht wackelt
Berlusconi muss indes befürchten, dass sich die Gegensätze in seiner Koalition nach einem Sieg Prodis noch verschärfen. Um seine Vormachtstellung zu retten, erwägt er nun die Gründung einer rechten Einheitspartei.

Die Spannungen mit seinen engsten Bündnispartnern machen deutlich, wie sehr Berlusconi mit dem Rücken zur Wand steht. Fini und Casini wollten ihn nach der Wahl in die Wüste schicken und seinen Platz einnehmen, so der Regierungschef. «Offensichtlich haben sie mich aber noch nicht kennen gelernt.» Ob es Berlusconi gelingt, den Wahlkampf doch noch in die von ihm gewünschten Bahnen zu lenken, wird sich nun bei seinem zweiten TV-Duell mit Prodi am 3. April zeigen.


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