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Lupe Fall Cheney: «Es ist nur ein Vogel»

Nach seiner öffentlichen Entschuldigung im Fernsehen sehen US-Jäger die Schuld für den Jagdunfall beim US-Vizepräsidenten. Cheney hatte am vergangenen Wochenende einen Jagdkameraden angeschossen.

Von Allen G. Breed

Dieses Mal kann sich US-Vizepräsident Dick Cheney nicht herausreden - und er weiß es. Nachdem er bei einer Wachteljagd in Texas seinen alten Freund Harry Whittington anschoss, entschuldigte sich der Vizepräsident spät, aber in aller Form: «Ich bin derjenige, der den Abzug drückte und auf meinen Freund schoss», sagte er am Mittwoch dem Nachrichtensender Fox. Cheney, von der Opposition bereits wegen des Skandals um die Enttarnung einer CIA-Agentin verdächtigt, hatte in diesem Fall buchstäblich die «rauchende Waffe» (english: smoking gun) in der Hand. So nennt man in den USA einen schlagenden Beweis.

In der Öffentlichkeit sorgte Cheneys Unfall für einige Schadenfreude. Und auch unter Jägern ist man sich weitgehend einig, das sich der 65-Jährige, sagen wir - nicht gerade geschickt verhalten hat. «Es ergibt einfach keinen Sinn, loszufeuern, wenn man nicht weiß, wo die anderen sind», sagt beispielsweise der Jagdführer Jimmy Floyd aus Texas. «Ich rede nicht gern schlecht über den Vizepräsidenten, aber ich glaube, er war im Unrecht.» Allerdings komme so etwas immer wieder vor, sagt der 50-jährige Jagdführer, der im Laufe seines Berufslebens schon vier Mal angeschossen wurde.

Nach offizieller Darstellung hatte sich der 78-Jährige Whittington kurz vor dem Unfall am Samstag von der Jagdgesellschaft entfernt, um eine tote Wachtel aufzuheben. Cheney und die anderen Jäger gingen unterdessen weiter und scheuchten einen weiteren Vogelschwarm auf. Als die Wachteln über ihm auseinanderstoben, wirbelte Cheney herum und schoss - die Schrotladung traf seinen rund 30 Meter entfernten Freund.

Auch der habe sich falsch verhalten, meint der Hundeführer Tito Killian. Er selbst achte stets darauf, dass alle Jäger den Hunden in einer geordneten Reihe folgten. Dennoch weist auch Killian Cheney die Hauptschuld zu: «Vor sich hat man grünes Licht, zu schießen, worauf man will», sagt der Hundeführer - aber nicht hinter sich.

Cheney hätte einfach nicht so impulsiv drauflosfeuern dürfen: «Ich sage den Leuten immer wieder: 'Es ist nur ein Vogel'», sagt Killian. «In diesem Spiel gibt es kein 'Es tut mir Leid'. Wenn man einmal den Abzugshahn betätigt hat, ist das Geschäft besiegelt.» (AP)