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Hintergrund: Das islamische Bilderverbot

06. Feb 2006 11:59
Die dänischen Karikaturen, die Mohammed zeigen, haben viele Muslime verärgert, weil Abbildungen des Propheten tabu sind. Allerdings gibt es auch im Islam Ausnahmen.

Der Koran verbietet die Darstellung menschlicher Figuren nicht ausdrücklich. Viele Gläubige interpretieren insbesondere die Suren 41 bis 52 des Koran aber dahingehend, dass Allah und seine Propheten nicht von menschlicher Hand erfasst werden können, erklärt der arabische Fernsehsender Al Dschasira auf seiner Internetseite. Die Herrlichkeit Gottes und seiner engsten Gefolgschaft könne nicht dargestellt werden. Jegliche Darstellung wäre ein Zeichen fehlenden Respekts. Der Prophet Mohammed steht für Muslime an zweiter Stelle nach Allah.

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Einige islamische Gelehrte zogen aus dem Koran den Schluss, Personen sollten generell nicht abgebildet werden. Das erklärt auch die Vorliebe für Kalligrafie, für Schriftkunst, und Ornamentik in den Moscheen. Die extremistischen Taliban in Afghanistan trieben das Bilderverbot gar so weit, dass überhaupt keine Gesichter gezeigt werden durften. Sie verboten daher sogar Stofftiere.

Dennoch gab es Zeiten in der Geschichte des Islam, in denen bestimmte bildliche Darstellungen regelrecht florierten. In der älteren islamischen Kunst des Osmanischen Reiches etwa wurde Mohammed oft gezeichnet, allerdings mit verdecktem Gesicht – verschleiert oder mit hell erleuchtetem, nicht erkennbaren Gesicht.

In der westlichen Welt gab es lange Zeit auch unbeabsichtigte Verstöße gegen das Bilderverbot – so warb 1928 ausgerechnet eine deutsche Firma für Fleischextrakte mit Sammelbildchen zur Geschichte des Propheten.

Den derzeitigen Aufruhr um die Mohammed-Karikaturen werten Islamexperten weniger als Ärger über einen Verstoß gegen das Bilderverbot als über die Gleichstellung Mohammeds mit dem Terrorismus. In einer der Karikaturen wird der Prophet mit einer Bombe als Turban gezeigt.

Das Bilderverbot ist auch im Christentum bekannt. Mit dem Gebot, sich kein Bild zu machen, sollte die Gefahr des Götzendienstes gebannt werden. Doch seit der Spätantike sind bildliche Darstellungen im Christentum üblich, bestes Beispiel ist der von Michelangelo gemalte Gottvater in der Sixtinischen Kapelle in Rom. (nz)

 
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