Folter-Skandal in russischer Armee
27.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Dem 19-jährigen Soldaten mussten nach dem Vorfall beide Beine, die Genitalien und ein Fingers wegen einer Blutvergiftung amputiert werden. Er kämpfte derzeit um sein Leben, hieß es. Mehrere betrunkene Dienstältere in der Militärschule hatten ihn am Silvesterabend stundenlang gefesselt und geschlagen. Danach hatten die Vorgesetzten über Tage eine Behandlung verweigert, so dass sich die Gliedmaßen mit Tetanus infizierten. Bis Freitag wurden sieben der mutmaßlichen Täter festgenommen.
Die Soldaten in der Panzerakademie Tscheljabinsk schlugen und misshandelten mehrere weitere Rekruten, die aber mit leichteren Verletzungen davonkamen. Der Rekrut war erst mehrere Tage nach dem Vorfall ins Krankenhaus gebracht worden, als sein Zustand bereits kritisch war und er nicht mehr aufrecht stehen konnte. Seine Mutter wurde nach eigenen Angaben erst informiert, als ihrem Sohn bereits ein Bein amputiert worden war.
Iwanow solle zurücktreten, weil er in seiner Armee nicht die Sicherheit der Rekruten gewährleisten könne, forderte die Vorsitzende der Komitees der Soldatenmütter, Walentina Melnikowa. Jährlich gebe es etwa 50.000 Beschwerden wegen Brutalitäten in den Streitkräften, kritisierte sie.
Russische Eltern zahlen hohe Schmiergelder, um ihren Söhnen den zweijährigen Wehrdienst zu ersparen. Nach Angaben von Militärexperten fehlen der russische Armee Unteroffiziere zur Aufsicht über die Wehrpflichtigen. Die Offiziere glaubten Disziplin zu halten, indem sie die Rekruten der Brutalität der Soldaten aus dem zweiten Wehrdienstjahr überlassen. (nz)

