netzeitung.deFolter-Skandal in russischer Armee

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Panzerfahrerschule in Tscheljabinsk (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Panzerfahrerschule in Tscheljabinsk
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wegen der brutalen Folter eines Wehrpflichtigen ermittelt Russlands Verteidigungsminister Iwanow gegen mehrere Offiziere. Ein Kommandeur musste bereits seinen Hut nehmen.

Die russische Armeeführung hat auf die brutale Misshandlung eines Wehrpflichtigen mit Entlassungen und Strafanzeigen reagiert. Verteidigungsminister Sergej Iwanow entließ den Kommandeur der Panzerfahrerschule in Tscheljabinsk, in der sich das Verbrechen ereignet hatte. Die Militärstaatsanwaltschaft in Moskau erhob Anklage gegen den Generaloberst, wie die Agentur Interfax meldete.

Dem 19-jährigen Soldaten mussten nach dem Vorfall beide Beine, die Genitalien und ein Fingers wegen einer Blutvergiftung amputiert werden. Er kämpfte derzeit um sein Leben, hieß es. Mehrere betrunkene Dienstältere in der Militärschule hatten ihn am Silvesterabend stundenlang gefesselt und geschlagen. Danach hatten die Vorgesetzten über Tage eine Behandlung verweigert, so dass sich die Gliedmaßen mit Tetanus infizierten. Bis Freitag wurden sieben der mutmaßlichen Täter festgenommen.

Die Soldaten in der Panzerakademie Tscheljabinsk schlugen und misshandelten mehrere weitere Rekruten, die aber mit leichteren Verletzungen davonkamen. Der Rekrut war erst mehrere Tage nach dem Vorfall ins Krankenhaus gebracht worden, als sein Zustand bereits kritisch war und er nicht mehr aufrecht stehen konnte. Seine Mutter wurde nach eigenen Angaben erst informiert, als ihrem Sohn bereits ein Bein amputiert worden war.

Minister will Vorschriften verschärfen
Iwanow sprach nach Angaben seiner Pressestelle von «himmelschreienden Verletzungen» der Dienstordnung. Er kritisierte, dass ihm der Fall nicht gemeldet worden sei. Er hatte deshalb in einer ersten Reaktion am Donnerstag erklärt, dass «nichts Ernsthaftes passiert» sei. Die Strafen für die «Dedowschtschina», die Misshandlung von Rekruten durch Dienstältere, würden nun aber verschärft.

Iwanow solle zurücktreten, weil er in seiner Armee nicht die Sicherheit der Rekruten gewährleisten könne, forderte die Vorsitzende der Komitees der Soldatenmütter, Walentina Melnikowa. Jährlich gebe es etwa 50.000 Beschwerden wegen Brutalitäten in den Streitkräften, kritisierte sie.

Russische Eltern zahlen hohe Schmiergelder, um ihren Söhnen den zweijährigen Wehrdienst zu ersparen. Nach Angaben von Militärexperten fehlen der russische Armee Unteroffiziere zur Aufsicht über die Wehrpflichtigen. Die Offiziere glaubten Disziplin zu halten, indem sie die Rekruten der Brutalität der Soldaten aus dem zweiten Wehrdienstjahr überlassen. (nz)