Nach Atomdrohung: Merkel verteidigt Chirac
23.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Angela Merkel und Jacques Chirac in Versailles.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bei ihrem Besuch in Paris hat Kanzlerin Merkel Kritik an der Atomdrohung Frankreichs abgelehnt. Sie verstehe die Aufregung in Deutschland nicht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Kritik am französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac wegen dessen Atomdrohung zurückgewiesen. Nach einem Treffen mit Chirac in Versailles sagte sie am Montagabend, sie sehe in der Äußerung «keinerlei Anlass zu Kritik». Oppositionspolitiker hatten Merkel zuvor aufgerufen, die Drohungen öffentlich zu missbilligen.
Chirac hatte in einer Rede Ende am vergangenen Donnerstag Staaten mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, die Anschläge mit Massenvernichtungswaffen auf Frankreich oder seine Verbündeten verübten. Unter anderen hatte der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Fritz Kuhn, daraufhin von Merkel gefordert, die «nukleare Kraftmalerei» nicht zu unterstützen.
«Volle Kontinuität»Merkel sagte, sie wundere sich über die Diskussion in Deutschland dazu, «weil Chiracs Äußerungen in voller Kontinuität mit der französischen Doktrin steht», sagte sie. «Es ist eine Anpassung der Doktrin an eine veränderte Bedrohungslage, aber eine Anpassung in voller Kontinuität.»
Auch Chirac versicherte, an der Schwelle für einen französischen Atomschlag habe sich nichts geändert. «Niemand in Deutschland muss sich auch nur die allergeringsten Sorgen machen», sagte er. Die Abschreckung bleibe aber eine »Lebensversicherung für unsere vitalen Interessen».
«Vielzahl von Ideen»Chirac und Merkel sprachen bei ihrem Treffen vor allem über die Europapolitik. Die Kanzlerin lobte das «hohe Maß an Übereinstimmung und die Vielzahl an Ideen» auf beiden Seiten. Mit Blick auf den EU-Gipfel zur Zukunft der EU-Verfassung im Juni wollten sich Berlin und Paris weiterhin abstimmen. «Wir sind uns einig, dass Europa stagniert, wenn Deutschland und Frankreich nicht der Motor sind», sagte die Bundeskanzlerin.
Mit einem Rundgang durch die Ausstellung «Die Pracht des sächsischen Hofes. Dresden in Versailles» hatten Chirac und Merkel zuvor diese Schau mit etwa 300 kostbaren Exponaten im Château de Versailles eröffnet. Der 25. informelle Gipfel seit 2001 in dem deutsch-französischen «Blaesheim-Prozess» endete mit einem Essen. (nz)