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Nato rückt in Süden Afghanistans vor

08. Dez 2005 18:13
Jaap de Hoop Scheffer
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Die Internationale Schutztruppe der Nato soll künftig in einem größeren Teil Afghanistans für Sicherheit sorgen. Damit den Soldaten «nicht die Hände gebunden» sind, wurden die Verhaltensregeln modifiziert.

Die Nato hat eine erhebliche Ausweitung des Einsatzes der Isaf-Friedenstruppe in Afghanistan beschlossen. Dies teilte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer am Donnerstag nach einem Treffen der Nato-Außenminister mit. In den ersten Monaten des kommenden Jahres soll die bisher nur im Norden und Westen vertretene Internationale Schutztruppe auch in den Süden des Landes einrücken. Dazu werde die Truppenstärke um rund 6000 Soldaten auf knapp 16.000 erhöht. Zugleich bekämen die Isaf-Soldaten «robustere» Verhaltensregeln für den Fall einer Bedrohung, hieß es.

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Die Außenminister bestätigten darüber hinaus ein schon seit längerem geltendes Regelwerk für den Umgang mit Gefangenen. Diese Regeln sehen vor, dass Festgenommene normalerweise innerhalb von sechs Stunden den afghanischen Behörden überstellt werden. In besonderen Fällen kann ein Nato-Offizier die Genehmigung des Isaf-Kommandeurs erbitten, einen Gefangenen bis zu 96 Stunden festzuhalten. Das Rote Kreuz oder der Rote Halbmond sind von einer Gefangennahme sofort zu unterrichten. Kein Gefangener darf ins Ausland gebracht werden. Bisher hat es nach Angaben eines Sprechers aber bei Isaf noch keinen Fall von Gefangennahme gegeben, sagte ein Sprecher.

Die Bekräftigung des Regelwerks war eine Geste der Minister an das niederländische Parlament, das in Kürze über eine Teilnahme holländischer Soldaten an der Ausweitung des Einsatzes in Richtung Süden entscheiden will. Abgeordnete hatten eine Klarstellung zum Umgang mit möglichen Gefangenen gefordert. Großbritannien und Kanada haben sich schon zum Einsatz im Süden bereit erklärt.

«Robustere» Verteidigung

Die Verschärfung der Verhaltensregeln (Rules of Engagement) beispielsweise zum Einsatz von Schusswaffen wurde Diplomaten zufolge wegen der größeren Unsicherheit im Süden Afghanistans beschlossen. «Das ist eine unberechenbarere Gegend», sagte Nato- Sprecher James Appathurai. «Die Regeln werden den Soldaten das Recht geben, sich noch robuster zu verteidigen», sagte der Sprecher. «Sie werden nicht mit gebundenen Händen in den Einsatz geschickt.» Einzelheiten sollen noch festgelegt werden. Noch im März hatte es nach einem Selbstmordattentat, bei dem ein deutscher Bundeswehrsoldat getötet wurde, geheißen, die Verhaltensregeln seien ausreichend.

Die Außenminister beschlossen zudem, dass der nächste Gipfel der 26 Staats- und Regierungschefs der Nato im November in der lettischen Hauptstadt Riga stattfinden soll. Es wäre das erste Spitzentreffen der westlichen Allianz auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Bei dem Gipfel soll vor allem die innere Reform der NATO Thema sein. Über eine mögliche Erweiterung des Bündnisses um Albanien, Kroatien und Mazedonien soll erst bei einem weiteren Gipfel im Frühjahr 2008 entschieden werden. Auch die Ukraine bemüht sich um eine Mitgliedschaft. (nz)

 
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