22.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Die regierende Liberaldemokratische Partei Japans hat Abgeordnete verloren. Diese gründeten aus Protest gegen die geplante Postreform eine neue Partei.
Drei Wochen vor der vorgezogenen Parlamentswahl in Japan hat sich am Sonntag eine zweite Gruppe von Abgeordneten von der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) losgesagt. Die vier Parlamentarier schlossen sich einer neuen Partei namens Nippon an, wie der Gouverneur von Nagano, Yasuo Tanaka, mitteilte.
Tanaka will die Führung der neuen Partei übernehmen. Bereits am Mittwoch hatten mehrere LDP-Abgeordnete ihre Partei verlassen und die Gründung einer Neuen Volkspartei angekündigt.
Umstrittene PostreformDie Aufspaltung der seit 50 Jahren nahezu ohne Unterbrechung regierenden LDP ist eine Folge der umstrittenen Postreform von Ministerpräsident Junichiro Koizumi. Dieser hatte das Parlament aufgelöst und für den 11. September eine Neuwahl angesetzt, nachdem LDP-Mitglieder des Oberhauses gemeinsam mit der Opposition seine Reformpläne abgelehnt hatten.
Die Reform sollte die größte Privatbank der Welt schaffen: Bei der Post sind in Spareinlagen und Versicherungsgeschäften 330 Billionen Yen (2,4 Billionen Euro) deponiert. Die Bank finanzierte der LDP in der Vergangenheit zahlreiche öffentliche Bauprojekte. Zudem sind unter den 400.000 Mitarbeitern der Post zahlreiche LDP-Anhänger. Viele Liberaldemokraten fürchten nun um die Machtbasis der Partei. (nz)