netzeitung.deBetroffenheit und Drohungen nach Schiavos Tod

 Herausgeber: netzeitung.de

Proteste gegen Sterbehilfe vor Schiavos Klinik (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Proteste gegen Sterbehilfe vor Schiavos Klinik
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach dem Tod der Komapatientin Schiavo sind in den USA Gegner von Sterbehilfe aufgebracht. Die Richter, die die Entfernung der Magensonde durchgesetzt hatten, wurden als «Mörder» bezeichnet. Thema: Der Fall Schiavo Wer entscheidet, wer ein Mensch ist? Koma-Patientin Schiavo ist tot Oberstes US-Gericht lehnt Schiavo-Antrag ab Schiavos Eltern scheitern erneut vor Gericht Todesdrohungen gegen Michael Schiavos Familie

Zahlreiche Menschen in den USA haben auf den Tod der Koma-Patientin Terri Schiavo betroffen und verbittert reagiert. Eltern und Geschwister der 41-Jährigen mahnten Anhänger, die tagelang vor dem Hospiz gegen die Entfernung der Magensonde und den dadurch unausweichlichen Tod Schiavos protestiert hatten und nun aufgebracht waren, zur Ruhe. «Unsere Familie verabscheut jede Gewalt und Gewaltandrohungen», sagte Terris Schwester Suzanne Vitadamo, vor dem Hospiz, in dem Schiavo am Donnerstag gestorben war.
Priester und Republikaner heizen an
Die aufgebrachte Stimmung unter den Gegnern von Sterbehilfe hatten unter anderem ein befreundeter Priester der Eltern, Frank Pavone, und der Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus, Tom DeLay, angeheizt. «Ich scheue mich nicht, Schiavo und Richter Greer als das zu bezeichnen, was sie sind: Mörder», sagte Pavone. Richter George Greer hatte die Entfernung der Magensonde am 18. März zugelassen.

Auch DeLay griff die Justiz scharf an. Die Richter müssten sich Tages für ihre Entscheidungen verantworten, sagte er. Senator Ted Kennedy bezeichnete die Äußerung als unverantwortlich und verlangte eine Klarstellung, dass DeLay keine Gewalt predige.

«Von Gott geschickt»
Vergangene Woche hatte DeLay bei einem Treffen der christlich-konservativen Gruppe «Rat für Familienforschung» gesagt: «Terri Schiavo ist uns von Gott geschickt, um sichtbar zu machen, was in Amerika vor sich geht.» Die konservativen Werte seien in Gefahr.

Greer und andere Richter, die sich geweigert hatten, die Magensonde für Terri Schiavo wieder einsetzen zu lassen, stehen unter Polizeischutz.

Warten auf Leichnam
Der Ehemann Terri Schiavos, der mit der Familie zerstritten ist, wartete am Freitag auf die Freigabe des Leichnams nach der Autopsie. Der Körper war nach dem Tod am Donnerstag in das gerichtsmedizinische Institut in Largo in Florida gebracht worden. Die Pathologen wollten die Autopsie innerhalb von 24 Stunden abschließen. Ein Ergebnis werde wegen der Laboranalysen erst in einigen Wochen vorliegen, sagte Institutssprecher William Pellan.

An der Obduktion waren Neurologen beteiligt, die das Ausmaß des Gehirnschadens bei Schiavo feststellen sollten. Die Eltern hielten bis zuletzt daran fest, dass der schwere Hirnschaden ihrer Tochter weniger gravierend war als von den meisten Ärzten diagnostiziert. (nz)