netzeitung.deBush schneidet «Irlands Arafat»

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Die McCartney-Schwestern (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die McCartney-Schwestern
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Die Schwestern eines ermordeten Iren erheben in den USA schwere Vorwürfe gegen die IRA. Zum St. Patrick's Day treffen sie Präsident Bush - der Irlands wichtigsten katholischen Politiker deshalb ausgeladen hat.

Gerry Adams, der Chef des politischen Arms der berüchtigten IRA, Sinn Fein, gilt als ein Mann des Friedens. Doch der Mord an Robert McCartney vor eineinhalb Monaten in Belfast hat Adams politisch schwer geschadet. An diesem Donnerstag, dem St. Patrick's Day, dem wichtigsten irisch-amerikanischen Feiertag, ist Adams nicht wie sonst Ehrengast der wichtigsten Parties, und auch George W. Bush will ihn diesmal nicht sehen. Statt seiner werden McCartneys fünf Schwestern und seine Verlobte im Weißen Haus empfangen.
Kunstvolles Dementi
Die irische und die amerikanische Presse wollen wissen, dass Bush Adams als «irischen Arafat» isolieren wolle. Das Weiße Haus dementierte die Formulierung kunstvoll, indem es die Sache im Kern bestätigte: «Der Präsident möchte sein Missvergnügen zum Ausdruck bringen. Die Grobheiten und das Gangstertum müssen ein Ende haben. Daher wurden die McCartney-Schwestern eingeladen und Herr Adams nicht.» Für Adams ist das laut eigenem Eingeständnis «ein schwerer Rückschlag».

Die sechs Frauen haben eine Debatte angeregt, die Adams sein Amt, seine Partei ihr Ansehen und die IRA ihre Existenz kosten könnte. Sechs Wochen nach dem überaus brutalen Mord an McCartney und der Attacke auf einen anderen Mann in und vor einer Bar in Belfast steht die IRA als eine längst von einer terroristischen Befreiungsarmee gegen die britische Unterdrückung zur organisierten Verbrecherbande mutierte Gangstertruppe da. Viele kleine Terror-Komplizen sind demnach im Zuge des irischen Friedensprozesses straffrei ausgegangen. Als Gangster genießen sie weiterhin den politischen Schutz durch Sinn Fein und die Deckung der nordirischen Polizei, die ihnen viele Zugriffe auf die Spitzenleute des IRA-Terrors verdankt.

Mafiageschäfte
In Nordirland herrschen folglich Verhältnisse, wie sie sonst nur in Mafiafilmen geschildert werden. Schutzgelderpressung gehörte schon immer zum IRA-Kerngeschäft, damit wurden zum Teil ihre Waffen finanziert. Inzwischen, berichten die BBC und der «Scotsman», betreiben Teile der IRA gemeinsam mit Banden vom britischen Festland Schmuggel mit Millionenumsatz, vor allem von Zigaretten. Außerdem färben sie im großen Stil steuervergünstigtes Heizöl um, das dann teuer als Diesel verkauft wird. Dazu kommen demnach Geldwäsche, Banküberfälle - und Morde.

Rund 70 potenzielle Zeugen in der Bar, darunter mindestens drei Sinn-Fein-Politiker, wollen die überaus blutigen Taten - die mit Messern, Hack- und Schlaginstrumenten ausgeführt wurden - nicht bemerkt haben, nahezu alle geben an, sie seien zur Tatzeit auf der Toilette gewesen. Die Tatverdächtigen, Angehörige einer IRA-Fraktion, sind namentlich bekannt, und doch hat es Wochen bis zu einer ersten Vernehmung gedauert.

Solche Fälle werden nun gehäuft berichtet, der Fall McCartney ist nicht der erste. Die sechs McCartney-Frauen sind jedoch die ersten, die im Stile der sizilianischen «schwarzen Witwen» das bleierne Schweigen und damit auch die Spirale aus Angst und Gewalt gebrochen haben.

Adams am Katzentisch
So sind sie es, nicht wie bisher Gerry Adams, die am St. Patrick's Day in diesem Jahr in den USA als Ehrengäste auftreten. Ihre Botschaften: Sinn Fein ist durch ihren Schutz für und die Bindung an die IRA delegitimiert und eine Gefahr für Demokratie und Rechtsstaat. Die IRA ist eine Verbrecherorganisation, die zerschlagen und bestraft gehört. Die Sicherheitsbehörden sind zu korrupt und zu sehr in politische Rücksichten verstrickt, dies zu besorgen. Und diese Botschaften kommen an. Zahlreiche amerikanische Spitzenpolitiker haben zur Auflösung der IRA aufgerufen.

Gerry Adams wurde es verwehrt, in den USA am Feiertag Spenden zu sammeln, wie er es sonst immer tat. Auswanderer sind die wichtigsten Geldgeber für die katholische Sinn Fein. Während sich die McCartney-Frauen am Donnerstag unter anderem mit Bush und den Senatoren Hillary Clinton und Edward Kennedy zeigen werden, drückt sich Adams notgedrungen an den Katzentischen der B- und C-Parties herum.

Das könnte der Anfang seines politischen Ablebens sein. Und der Beginn neuer Gewalt, denn die Enthüllungen zeigen, dass die politische Kompromissbereitschaft der IRA-Terroristen und ihre vordergründige Friedfertigkeit einen hohen Preis hatten. Wird der kassiert, drohen unabsehbare Folgen.


Für das Web ediert von Joachim Widmann