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«Mein Kampf» Bestseller in der Türkei

10. Mrz 2005 14:07, ergänzt 14:43
Adolf Hitler
Hitlers «Mein Kampf» stößt in der Türkei auf reges Leserinteresse - vor allem bei Studenten. Die deutsche Botschaft zeigte sich besorgt.

Buchhändler und akademische Kreise in der Türkei rätseln über ein plötzliches Interesse junger Türken an Adolf Hitlers Buch «Mein Kampf». Wie die «Financial Times» berichtet, gilt das Buch mittlerweile als Bestseller in der Türkei. Hauptsächlich Studenten würden es kaufen, zitiert das Blatt den Chef eines Buchladens in Ankara. «Türken lieben diese Art Lektüre.»

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Die Nachfrage ist offenbar so groß, dass das Buch in einigen Läden bereits ausverkauft ist. Allein der Händler in Ankara habe in den vergangenen Wochen mindestens 1000 Exemplare verkauft, schreibt das Blatt. Auf der Liste der am meisten verkauften Bücher stand «Mein Kampf» demnach im vergangenen Monat auf Rang drei. Die Verkäufe hätten zu dem Zeitpunkt stark zugenommen, als eine neue Ausgabe für 3,50 Euro in den Handel gekommen sei.

Deutsche Botschaft besorgt

Dem Bericht zufolge rätseln Buchverkäufer und Wissenschaftler über das Phänomen des plötzlichen Interesses an «Mein Kampf». Die Türkei sei weder ein Land mit einer intensiven Lesekultur noch spiele sie in der Geschichte des Antisemitimsus eine Rolle, hieß es.

Die deutsche Botschaft reagierte besorgt auf die Entwicklung. Man werde die Verfügbarkeit des Buches und das stete Interesse daran «sorgsam verfolgen», zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter der deutschen Vertretung in Ankara. Das Auswärtige Amt (AA) in Berlin verwies auf die Zuständigkeit der bayerischen Staasregierung. Als Inhaber der Rechte könne «nur das Land Bayern aktiv» werden, sagte einer Sprecherin der Netzeitung. Dies erfolge «in Zusammenarbeit und mit der Unterstützung» des AA beziehungsweise der deutschen Botschaft.

Das bayerische Finanzministerium hatte bereits im Februar erklärt, eine Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts verhindern zu wollen. Damals hieß es, weder im Inland noch im Ausland würden Abdruckgenehmigungen erteilt. Gegen Verstöße werde zivil- und strafrechtlich vorgegangen. Im Ausland erfolge dies über die entsprechende deutsche Botschaft.

Absatzzahlen nicht verlässlich

Besorgt zeigte sich auch die jüdische Gemeinde in der Türkei. Ein Sprecher erklärte, die «neue Beliebtheit» von «Mein Kampf» könnte auch damit zu tun haben, dass seitens der radikalen türkischen Presse Antisemitismus ungehindert verbreitet werde.

Experten warnten indes davor, die genannten Verkaufszahlen überzubewerten. Die Verlagsbranche könne keine verlässlichen Absatzzahlen nennen, zitiert die Zeitung einen Vertreter der türkischen Verleger. Allerdings gibt es dem Bericht nach auch Schätzungen, dass bereits mehr als 100.000 Exemplare in der Landessprache gedruckt worden seien.

 
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