Papst vergleicht Abtreibung mit Holocaust
19.02.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Papst Johannes Paul II.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Papst Johannes Paul II. hat in seinem neuen Buch die Abtreibung in die Nähe der Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten gerückt. Die Schwulenehe nannte er keine Alternative zur Familie.
Papst Johannes Paul II. vergleicht in seinem neuen Buch «Erinnerung und Identität - Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden» die Abtreibung mit dem Holocaust. Ein rechtmäßig gewähltes Parlament habe die Wahl Adolf Hitlers in den dreißiger Jahren ermöglicht und ihn mit der Macht ausgestattet, die der Einrichtung von Konzentrationslagern und der sogenannten Endlösung den Weg bereitet habe, schreibt er. Er macht dann deutlich, dass die Vernichtung der Juden nach dem Sturz des Nazi-Regimes zwar aufgehört habe. «Was jedoch fortdauert, ist die legale Vernichtung gezeugter, aber noch ungeborener menschlicher Wesen.»
In diesem Zusammenhang kritisiert der Papst auch die Schwulenehe: «Und auch an anderen schweren Formen der Verletzung der Gesetze Gottes fehlt es nicht. Ich denke zum Beispiel an den starken Druck des Europäischen Parlaments, homosexuelle Verbindungen anzuerkennen als alternative Form der Familie (...). Es ist zulässig und sogar geboten, sich zu fragen, ob nicht hier - vielleicht heimtückischer und verhohlener - wieder eine neue Ideologie des Bösen am Werk ist, die versucht, gegen den Menschen und gegen die Familie sogar die Menschenrechte auszunutzen.»
Hitler und StalinAuch Kölns Kardinal Joachim Meisner hatte schon mal die Verbrechen Hitlers und Stalins mit der Abtreibung gleichgesetzt. Angesichts der großen Empörung drückte er später sein Bedauern darüber aus. Meisner hatte in einer Predigt am Dreikönigstag gesagt: «Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen läßt, dann unter anderen Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.»
Das Papstbuch erscheint am 23. Februar im Augsburger Weltbild Buchverlag. In dem 224-Seiten-Werk geht es um Themen wie Demokratie, Freiheit und Frieden aus christlicher Sicht. Es basiert auf Gesprächen, die der Papst 1993 mit den beiden polnischen Philosophen Józef Tischner und Krzysztof Michalski geführt hatte. (nz)