netzeitung.deAustralien hat ein Kamel-Problem

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Kamel im Outback (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kamel im Outback
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In Australien sind Kamele nicht zu Hause - trotzdem gibt es sie, inzwischen sogar zu viele. Was Umweltschützer alarmiert, macht einigen Ureinwohnern Hoffnung.

Darüber, wie viele Kamele derzeit genau durch das australische Outback laufen, gibt es nur Mutmaßungen. Die australische Regierung schätzt ihre Zahl auf 500.000, Wissenschaftler gehen von bis zu 750.000 Tieren aus.

Dabei betrat das erste Kamel Australien erst im Jahr 1840 für eine Expedition. Im Jahr 1866 eröffnete Thomas Elder die erste Zuchtfarm. Die Arbeitstiere wurden vor allem zum Bau der Eisenbahn eingesetzt, in den Zwanzigerjahren wurden sie durch Lkw ersetzt – die Kamele wurden in großer Zahl in die Freiheit entlassen. Heute ist Australien das einzige Land weltweit, in dem es freilaufende Kamele in größerer Zahl gibt.

Keine natürlichen Feinde
Weil die Dromedare, die zur Familie der Kamele gehören, in Australien ursprünglich nicht beheimatet waren, haben sie dort auch keinerlei natürliche Feinde. Deshalb vermehren sie sich jedes Jahr um zehn Prozent, alle acht Jahre verdoppelt sich die Population. Glenn Edwards, Wissenschaftler der Regierung im Northern Territory, geht davon aus, dass spätestens im kommenden Jahrzehnt mehr als eine Million Kamele durch Australien laufen.

Naturschützer sagen, schon jetzt leide die Vegetation unter der großen Zahl der Tiere – die in den australischen Halbwüsten eine ausgezeichnete Nahrungsgrundlage haben. Edwards sagt, wenn die Kamel-Population nicht unter Kontrolle gebracht werde, würden wohl aus den Halbwüsten bald richtige Wüsten. Kamele fressen nahezu alles, was Wurzeln hat - vier von fünf Pflanzenarten, die im Outback wachsen.

Regierung will Kamele erschießen
Edwards sagt, früher seien die Kamele außer Sichtweite gewesen. «Jetzt ziehen sie von den Wüstengebieten auf besseres Land.» Sie fressen inzwischen auch Weideland kahl, zerstören Zäune und Äcker. Die australische Regierung erwägt deshalb, Kamele in Zukunft in großer Zahl zu erschießen. «Wahrscheinlich gibt es keine andere Möglichkeit», sagt Edwards. In unwegsamen Gegenden werden man die Tiere aus der Luft töten. Sonst werde ihre Zahl schon Anfang des kommenden Jahrzehnts mehr als eine Million betragen.

Die australischen Ureinwohner, die Aborigines, hoffen, das Problem für sich nutzen zu können. Im Outback ist die Arbeitslosigkeit besonders hoch, in den kommenden Jahren könnten dort durch das Kamel-Problem viele Arbeitsplätze entstehen. Edwards schätzt, dass jährlich etwa 60.000 Kamele getötet werden müssen, um die Population erfolgreich zu begrenzen. Dafür braucht man viele Arbeitskräfte.

Kamele zu Burgern
So wird Kamelfleisch schon jetzt in Australien zu Kamel-Burgern verarbeitet. Zudem haben inzwischen zehn Firmen begonnen, Kamele lebend zu exportieren. Zunächst wurden sie nur in Nationalparks und Zoos verkauft, inzwischen werden sie nach Hong Kong, Israel und Ägypten verschifft – um dort ebenfalls geschlachtet und als Delikatesse verkauft zu werden. Australische Kamele sind zudem sehr beliebt, weil sie als gesund und seuchenfrei gelten. 3500 Tiere werden schon jetzt jährlich exportiert.

Kamele könnten so in den kommenden Jahren zum australischen Export-Schlager werden – tot und lebendig. Für die Aborignies könnte das ein anderes von Weißen importiertes Problem lösen - das der Arbeitslosigkeit.