Der Nobelpreis für Literatur wird in diesem Jahr an die österreichische Autorin Elfriede Jelinek vergeben. Das Nobelpreis-Komitee gab am Donnerstag in Stockholm bekannt, Jelinek werde geehrt «für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen». Sie habe «mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllt».
Isolation und Literatur Das Jahr 1968 verbrachte Elfriede Jelinek in völliger Isolation in ihrem Elternhaus, erste Gedichte entstanden in dieser Zeit. 1969 verstarb ihr Vater in einer psychiatrischen Klinik. Friedrich Jelinek war vor seiner Erkrankung als Chemiker tätig gewesen. Dieser als «kriegsdienlich» eingestufte Beruf hatte ihn vor Verfolgung unter dem NS-Regime wegen seiner jüdisch-tschechischen Abstammung bewahrt. Wegen der psychischen Probleme des Vaters erzog Mutter Olga das Kind, das nach dem katholischen Kindergarten in eine Klosterschule wechseln musste. Wegen einer als unangemessen empfundenen Hyperaktivität schickten die Nonnen der Schule das Kind kurzzeitig in die Kinderpsychiatrie. Aus dem Bambiland Jelinek war nach 1969 in der Studentenbewegung aktiv, erste Texte erschienen in Zeitschriften. 1971 schloss sie die Orgelprüfung am Konservatorium bei Leopold Marksteiner ab. Ihr Hörspiel «wenn die sonne sinkt ist für manche schon büroschluß» von 1974 wurde von der «Presse» zum erfolgreichsten Hörspiel des Jahres erklärt. Im selben Jahr heiratete sie Gottfried Hüngsberg und trat in die Kommunistische Partei Österreichs ein, der sie bis 1991 verbunden war. Neben ihren eigenen Gedichten, Romanen und Theaterstücken arbeitete Jelinek immer wieder als Übersetzerin. Ihre wichtigste und folgenreichste Übersetzung war Thomas Pynchons «Gravity's Rainbow» (dt.: «Die Enden der Parabel»). Den Roman übertrug sie zusammen mit Thomas W. Piltz aus dem Amerikanischen ins Deutsche. Ihr Roman «Die Klavierspielerin» von 1988 wurde 2001 verfilmt, die Hauptrolle spielte Isabelle Huppert. Zuletzt sorgte die Autorin für Aufsehen mit ihrem Theaterstück «Bambiland», das Ende 2003 am Wiener Burgtheater aufgeführt wurde. (nz)
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