Das braune Erbe der Bush-Familie
04. Okt 2004 18:06, ergänzt 05. Okt 2004 08:30
Der Begründer der Bush-Dynastie, Prescott Bush, hat von den Verbrechen der Nazis profitiert. Medien und klagende Holocaust-Opfer meinen, dies dokumentarisch belegen zu können.
Die Geschäfte seines Vaters bringen den 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten, George H. W. Bush, und seinen Sohn, den amtierenden Präsidenten George W. Bush, in Bedrängnis. Den einen haben Holocaust-Opfer auf 400 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt, dem anderen wird vorgeworfen, die Klage durch Manipulation eines Gerichts aufzuhalten.
Prescott Bush (1895-1972), der Gründer der Bush-Dynastie, war von den Zwanziger- bis in die Sechzigerjahre ein erfolgreicher Geschäftsmann, Managing Partner oder Direktor mehrerer Investmenthäuser, Banken und Beteiligungsgesellschaften, sowie laut Selbsteinschätzung «moderat progressiver» republikanischer Senator von 1953 bis 1962. Dokumente deuten darauf hin, dass er tatsächlich mit Nazi-Deutschland Geschäfte gemacht hat - weit über den Punkt hinaus, bis zu dem das noch legitim und legal war.
Kein Nazi
Prescott Bush, berichtet der britische «Guardian», war kein Nazi und sympathisierte auch nicht politisch mit seinen Geschäftspartnern. Er kam über seinen Schwiegervater, den Industriellen und Großinvestor George Herbert Walker, 1924 dazu, als leitender Mitarbeiter der damals größten Investmentbank Brown Brothers Herriman (BBH) Mitgründer eines Unternehmens in New York zu werden. Das Unternehmen, eine Bank, war demnach Teil eines internationalen Netzwerks, mit dem der Thyssen-Konzern nach dem Ersten Weltkrieg sein Vermögen globalisierte, um es nicht künftigen politischen und wirtschaftlichen Krisen in Deutschland auszusetzen. Union Banking Corporation (UBC) hieß die Firma, Bush wurde einer von sieben Direktoren und Aktionär. Er hielt die Aktie aber nur als Sachwalter der Bank voor Handel en Scheepvarrt in Rotterdam, die wiederum dem Thyssen-Konzern gehörte - ob dies Bush zurzeit der Firmengründung klar war, ist unsicher.
Sklavenarbeiter eingesetzt
Dokumente, die Prescott Bushs Beteiligung an Gold-, Rohstoff- und Wertpapiergeschäften belegen, die Deutschland in den Dreißigerjahren und noch später Aufbau und Betrieb seiner Kriegsmaschinerie erleichterten, sind vor etwa einem Jahr von US-Archiven freigegeben worden, so der «Guardian», der vor einigen Tagen darüber berichtete. Belegt sind demnach auch bis in die späten Dreißigerjahre Verbindungen Bushs zur Consolidated Silesian Steel Company (CSSC), die Sklavenarbeiter einsetzte, darunter auch solche aus Auschwitz. Am 20. Oktober und in den folgenden Wochen des Jahres 1942 wurden die UBC sowie die mit ihr verbundenen Firmen Holland-American Trading Company, Seamless Steel Equipment Corporation und Silesian-American Company als feindliches Vermögen von der US-Regierung beschlagnahmt. Nach dem Bruch zwischen Hitler und Fritz Thyssen, einem seiner wichtigsten Finanziers, waren diese Unternehmen laut einem Gutachten des zuständigen US-Treuhänders «seit 1939 im Besitz von und wurden geleitet durch die deutsche Regierung und haben ohne Zweifel beträchtlich zum Kriegsfortschritt jenes Landes beigetragen», wie der «Guardian» zitiert.
Ob die Consolidated Silesian Steel Company (CSSC) zu jener Zeit direkt oder indirekt noch zum Portfolio der UBC gehörte, ist demnach unklar. Dokumente für einen Verkauf des Unternehmens durch UBC oder eine ihrer Töchter gibt es jedoch auch nicht, wie Peter Wolz der Netzeitung sagte, der Düsseldorfer Anwalt, der die Holocaust-Sammelklage gegen Prescott Bushs Erben George H. W. Bush vertritt.
Gesellschafter Flick
Bis zum Überfall Deutschlands auf Polen 1939 waren diese Geschäfte allerdings weder unmoralisch noch illegal, danach aber wurden sie zumindest anrüchig. Erst die Beschlagnahme acht Monate nach dem Eintritt der USA in den Krieg setzte ihnen ein Ende, weil sie inzwischen auch gegen das amerikanische Gesetz verstießen, das Geschäfte mit dem Feind verbot. Neben der UBC war wenigstens zeitweise auch Hitlers Rüstungsschmied, der später in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilte IG-Farben Großaktionär Friedrich Flick, ein Freund und Geschäftspartner Thyssens, laut einem Bericht der «New York Times» vom März 1934 an der CSSC beteiligt. Auch in Flicks Prozessakten als Kriegsverbrecher finden sich Hinweise auf Bushs Geschäfte, heißt es.
Teil einer Verschwörung
UBC wurde entgegen der Empfehlung der beschlagnahmenden Behörde von der US-Regierung jedoch nicht liquidiert. Die Bank blieb bestehen und wurde nach dem Krieg ihren amerikanischen Investoren zurückgegeben. Prescott Bush habe seinen Anteil für 1,5 Millionen Dollar verkauft, werfen ihm Kritiker vor - es ist dokumentarisch nicht bewiesen.
Es ist laut «Guardian» strittig, ob Bush seinerzeit nur ein Strohmann war, weil irgendwer schließlich die Aktien für die Niederländer halten musste, die offiziell selbst gar nicht wussten, dass ihre Bank ein Thyssen-Unternehmen war. Fachleute, die der «Guardian» zitiert, halten Unkenntnis Bushs für unwahrscheinlich. «Darauf kommt es nicht an», erklärt Anwalt Wolz. Formal reiche für seine Klage der Nachweis, dass Bush mit seinen Geschäften Teil einer Verschwörung zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewesen sei.
Für das Web ediert von Joachim Widmann