netzeitung.deWeblogs werden zur Geheimdienst-Quelle

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Buch des Bagdad-Bloggers. Auch nützlich für Geheimdienste? (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Buch des Bagdad-Bloggers. Auch nützlich für Geheimdienste?
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Relevanz vieler Weblogs ist umstritten. Militärs und Geheimdienste finden einige von ihnen jedoch äußerst informativ.

Weblogs sind nicht mehr, als persönliche Nachrichten und Kommentare privater Internetnutzer. Geheimdienste interessieren sich trotzdem dafür, werden doch in einigen Online-Tagebüchern auch Nachrichten ausgewertet und Informationen gesammelt, die sonst nirgendwo zu lesen oder zu sehen sind.

Auf einer Konferenz in Washington diskutierten Geheimdienste im April, wie Weblogs ausgewertet und deren Informationen bewertet werden können. Organisiert wurde das Treffen von einem ehemaligen US-Geheimdienst-Mitarbeiter. Robert Steele sagte der Zeitung «Investor's Business Daily» auf der Tagung, Blogs seien schon heute eine Quelle für Militärs und Geheimdienste.

Jock Gill, ein früherer Internet-Berater von US-Prädeitn Bill Clinton schließt sich dem an: «Geheimdienstarbeit besteht aus kritischem Zuhören, und Blogs sind nur eine Konversation mehr, der wir zuhören und die wir auswerten müssen. Die sind bei vielem näher dran und können deshalb eine frühe Warnung sein.»

Einige Analysten gehen der Zeitung zufolge davon aus, dass die Geheimdienste bereits heute Weblogs lesen. Weblogs können demnach nicht nur Informationen liefern, sondern auch Einschätzungen liefern. So kann auch ein Kommentar zur Geheimdienst-Quelle werden.

Bagdad Blogger lieferte Informationen
Ein Beispiel ist der so genannte «Bagdad Blogger». Ein 29-jähriger Iraker, der sich Salam Pax nannte, schrieb während des Irak-Krieges aus Bagdad darüber, wie die Iraker den Krieg sehen. Konferenzteilnehmer sagten, dass Militär habe sich dessen Blog zunutze gemacht, um Informationen von der anderen Seite der Front zu erhalten.

Selbst Zeitungen und Nachrichtenagenturen werteten sein Weblog aus. Eine direkte Auswertung von Blog-Informationen ist jedoch auch nach Einschätzung der Geheimdienste problematisch. Auf der Konferenz hieß es, letztlich müssten Blog-Informationen immer validiert, also noch einmal bestätigt werden.

Vom Blog zur Falschmeldung
So feuerten etwa im vergangenen September Extremisten in Irak mit zwei Raketen auf ein US-Transportflugzeug. Ein Blogger namens Tania Riverband schrieb kurz darauf, Donald Rumsfeld sei in der Maschine gesessen. Tatsächlich war Rumsfeld zu der Zeit in Irak, in dem Flugzeug saß er allerdings nicht.

AFP-Chefreporter Tim Witcher sagte deshalb auf der Konferenz, «ein Blog-Eintrag wird erst zur Nachricht, wenn wir 100 Prozent sicher sind, dass es stimmt». Einige Medien berichteten im September trotzdem über den vermeintlichen Beschuss Rumsfelds, bevor sich der Blog-Eintrag als Falschmeldung herausstellte.


Für das Web ediert von Peter Müller