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Der Mythos des Abrams-Panzers ist zerstört

29. Mrz 2004 13:22
Das Einschussloch in der Hauptpanzerung ist sieben Millimeter groß
Foto: U.S. Marine Corps
Zum ersten Mal seit 20 Jahren hat die US-Armee einen ihrer Abrams-Panzer im Kampf verloren. Er wurde in Irak glatt durchschossen. Noch ist unklar, welcher Waffe das gelang.

Bisher galt der schwere Kampfpanzer der amerikanischen Armee, der M1 Abrams, als so gut wie unverwundbar. Dieser Mythos ist im vergangenen August in Irak zerstört worden.

Im ersten Golfkrieg 1991 vernichteten die US-Truppen 3000 irakische Panzer und verloren dabei keinen einzigen. In einem Gefecht wurde beispielsweise ein im Schlamm festgefahrener Abrams von drei irakischen T-72 direkt beschossen, ohne dass diese etwas ausrichten konnten. Die Besatzung des Abrams schaltete die Panzer aus sowjetischer Produktion einen nach dem anderen aus.

Original-Dokument:
Auch im zweiten Golfkrieg waren irakische Waffen unterlegen, auch wenn einige Abrams bewegungsunfähig geschossen wurden. Zum ersten Mal in ihrer zwanzigjährigen Einsatz-Geschichte sind jedoch zwei Abrams-Panzer auch abgeschossen worden. Einen traf eine Panzer-Abwehrgranate vom Typ RPG-7 im Heck und zerstörte den Motor, weshalb in einem Armee-Bericht empfohlen wurde, die Heckpanzerung zu verbessern.

Glatt durchschlagen

Ein zweiter jedoch erhielt einen direkten Treffer, der Experten der Armee besorgt: Während einer Patrouille am 28. August 2003 in Bagdad wurde eines der 69 Tonnen schweren Monster des 70. Panzerregiments der 1. Panzerdivision «von etwas getroffen» und glatt durchschlagen, wie die «Army Times» schon im Oktober berichtete.

Mehr im Internet:
Das Geschoss traf die Kettenschürze auf der rechten Seite des Panzers, drang oberhalb der Kette durch die dahinter liegende Kabinenpanzerung, anschließend durch die Rücksitzlehne des Richtschützen, schürfte an dessen Schutzweste entlang, durchlöcherte die Funkanlage und drang noch fünf Zentimeter weit in die Kabinenpanzerung auf der gegenüberliegenden Seite ein. Bei dem Flug durch den Innenraum wurden Richtschütze und Kommandant leicht verletzt und genug kritische Bauteile getroffen, um den Panzer lahm zu legen. Die Munition erzeugte eine solche Hitze, dass das Feuerlöschsystem aktiviert wurde.

Angst vor neuer Waffe

Die meisten der in großer Zahl verwendeten Panzerabwehrgranaten sowjetischer Produktion, so genannte Rocket Propelled Grenades (RPGs), können die Wände eines Abrams nicht durchschlagen, die Anti-Personen-Variante verursache sogar nur «kosmetische Schäden», wie ein Bericht der Armee konstatiert. Lediglich Granaten vom Typ RPG-7 können an einigen schwächeren Stelle eine Gefahr sein, doch hätte ihre Hohlladung typische Schmelzspuren hinterlassen, die nicht gefunden wurden.

Das Blatt bezeichnet die Einschussstelle
Der Vorfall hat daher zu einigen Fragen geführt, ist doch unklar, was das «Etwas» war, dass den Panzer traf. Es müsse etwas Neues sein, zitiert die Armeezeitung Experten. Man wolle so schnell wie möglich wissen, was.

Die Panzerung des Abrams besteht aus übereinanderliegenden Stahl- und Keramikschichten, die an gefährdeten Stellen durch abgereichertes Uran verstärkt sind. Sie gilt als kaum verwundbar. Das Eintrittloch hat einen Durchmesser von sieben Millimetern. Es sei so klein gewesen, «dass mein kleiner Finger nicht hineinpasste», zitiert die «Army Times» den Verfasser des Untersuchungsberichts, Terry Hughes.

Rail-Gun?

Dort heißt es demnach: «Es scheint klar, dass der Eindringkörper, der die Schäden verursachte, aus einem gelben, geschmolzenen Metall bestand, aber welche Waffe kann so ein Geschoss abfeuern, und was für ein Geschoss ist das überhaupt?»

In der Armee werde der Vorfall als «kritisch» eingestuft, und niemand wolle sich mit Äußerungen dazu zitieren lassen, so die Zeitung. In verschiedenen Berichten im Internet wird spekuliert, eine Rail-Gun sei an ihm getestet worden, eine elektromagnetische Waffe, deren Geschosse enorme Geschwindigkeiten und Auftreffenergien erreichen. Bisher jedoch existieren davon keine einsatzfähigen Exemplare. Zumindest ist kein Land bekannt, welches eine Rail-Gun besitzt, die kleiner als ein Güterwagen wäre.

Im Internet gibt es aber auch noch eine andere Vermutung: Friendly Fire. Eine Panzerabwehrgranate eines amerikanischen Bradley-Panzers könne den Treffer verursacht haben, oder die eines britischen Schützenpanzers.

RPG-22?

Die «Army Times» zitiert ungenannte Experten, die vermuten, dass der Treffer mit einer Weiterentwicklung der sowjetischen RPG erzielt wurde, möglicherweise einer RPG-22. Diese wurden 1985 eingeführt und an mindestens drei Länder verkauft. Die Granaten können bis zu 39 Zentimeter dicke Panzerungen durchschlagen.

Beim Hersteller des Panzers, General Dynamics Land Systems, gehe man dagegen lieber von einem «besonders glücklichen Treffer» aus, einem «golden RPG». Dass ein vergleichsweise neues Waffensystem an einem amerikanischen Panzer «getestet» worden ist, wolle man dort nicht erörtern. (nz)

 
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