netzeitung.deHaitis Präsident Aristide flüchtet ins Ausland

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Jean Bertrand Aristide (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Jean Bertrand Aristide
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Haitis Präsident Aristide hat am Sonntag sein Amt niedergelegt und das Land verlassen. Der oberste Richter Alexandre erklärte sich zum Übergangs-Präsidenten.

Der haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide hat Haiti am Sonntag verlassen. Dies teilte der Kabinettsminister und enge Berater Aristides, Leslie Voltaire, in der Hauptstadt Port-au-Prince mit.

Er befinde sich derzeit in der Dominikanischen Republik. Voltaire sagte, Aristide werde in Marokko, Taiwan oder Panama um Asyl bitten. Ein Sprecher der dominikanischen Präsidentschaft in der Hauptstadt Santo Domingo sagte, Aristide sei auf dem Flughafen Barahona im Südwesten des Landes eingetroffen.

Ein lokaler Rundfunksender auf der Karibikinsel Antigua meldete indes, ein Flugzeug mit Aristide an Bord sei dort zu einem Tankstopp zwischengelandet. Ziel der Reise sei Südafrika.

Alexandre als Interims-Präsident
Der oberste Richter am Obersten Gericht Haitis, Boniface Alexandre, sagte nach der Flucht Aristides, er werde die Führung des Landes übernehmen. Nach Angaben des französischen Außenministeriums hatte Aristide sein Amt Sonntagmorgen niedergelegt.

Alexandre rief die Bevölkerung auf, die Unruhen zu beenden. «Haiti befindet sich in einer Krise. Es braucht alle seine Söhne und Töchter», sagte er. Eigentlich müsste das Parlament seiner Entscheidung nun noch zustimmen. Die Amtszeit der meisten Abgeordneten ist jedoch Anfang des Jahres abgelaufen.

Neue Gewalt
Die US-Regierung begrüßte in einer ersten Stellungnahme die Ausreise Aristides. Die Entscheidung sei «im besten Interesse des haitianischen Volkes», sagte ein ranghoher Regierungsvertreter in Washington.

Als die Flucht Aristides in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince am Sonntagmittag bekannt wurde, reagierten dessen Anhänger mit neuer Gewalt. Augenzeugen berichteten, dass Männer mit Maschinengewehren auf vorbeifahrende Autos schossen und Tankstellen in Brand setzen.

Deutliche Distanzierung
Unruhen und Konflikte zwischen Gegnern und Befürwortern Aristides dauern in Haiti seit 6. Februar an. Seitdem haben Rebellen von Norden aus mehr als die Hälfte des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Den Aufständischen gehören Mitglieder unterschiedlicher Oppositionsgruppen an.

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich und die USA hatten sich in den vergangenen Tagen deutlich von Aristide distanziert und erklärten ihn als verantwortlich für die Unruhen in Haiti, bei denen bislang mehr als 100 Menschen ums Leben kamen.(nz)