Bergung der «Graf Spee» vorerst gescheitert
10.02.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Bergung der «Graf Spee» vorerst gescheitert
Vergleichsweise klein und leicht zu erreichen war das Wrackteil, das als erstes von der Untergangsstelle der «Admiral Graf Spee» gehoben werden sollte. Doch der Versuch misslang.
Der erste Versuch, Teile des deutschen Kriegsschiffes «Admiral Graf Spee» aus dem Schlamm des Rio de la Plata zu bergen, ist gescheitert. Vergeblich wurde am Montag mit Hilfe eines Schwimmkrans versucht, ein tonnenschweres Wrackteil aus dem Wasser zu hieven. Viermal setzte der Kran an, kurz bevor der Entfernungsmesser aus dem Wasser gehoben werden konnte, rissen jedoch die Seile, die Bergung wurde unterbrochen.
Ein Meter hohe Wellen hatten den ganzen Tag über das Manövrieren des Krans erschwert. Der Unternehmer Alfredo Etchegaray, der gemeinsam mit dem Wracktaucher Hector Bado die Hebung organisiert, sagte, dass man am Dienstag entscheiden wolle, wie es weitergehen solle. Schon mehrmals hatte die Aktion wegen schlechten Wetters verschoben werden müssen. Wahrscheinlich kann es Jahre dauern, bis alle Wrackteile gehoben sind.
EinzelteileDer Entfernungsmesser war einst auf dem vorderen Deck der «Graf Spee» montiert. Er diente dazu, mit Hilfe von Spiegeln die Entfernung zu gegnerischen Schiffen zu bestimmen und Zielkoordinaten für die Geschütze zu ermitteln. Das Wrackteil ist 10,5 Meter breit, sechs Meter hoch und wiegt 27 Tonnen. Es liegt neben dem eigentlichen Rumpf und war daher relativ leicht zu orten und zu heben. Es ist ein vergleichsweise leichtes Teil. Der vordere Geschützturm, ebenfalls allein neben dem Wrack liegend, wiegt mehr als 300 Tonnen.
Das gesamte Schiff war in mehrere Teile zerbrochen, nachdem es sein Kapitän Hans Langsdorff auf der Flucht vor britischen Kriegsschiffen 1939 versenken ließ. Es liegt in acht Metern Tiefe in der Mündung des Rio de la Plata vor Montevideo, versunken im tiefem Schlick. Der macht die Arbeit für die Taucher schwer und gefährlich, da unter Wasser praktisch nichts zu sehen ist.
Berger glaubt an guten ZustandTrotz der schweren Schäden glaubt Bado, dass sich das Wrack in einem guten Zustand befindet und sich eine Bergung lohnt. «Es wird an Land wiederaufgebaut und wird das beste Schiffsmuseum der Welt», sagte Bado. «Das ist das letzte deutsche Kriegsschiff, das eine Rettung lohnt und es hat eine beeindruckende Geschichte.»
Besonders die erste Aussage Bados teilen viele Beobachter der Aktion nicht. Rudolf Holm, der frühere Präsident der deutschen Handelskammer in Montevideo, sagte schon 1989: «Eine Bergung ist Irrsinn. Da ist nichts mehr zu holen.» (nz)