EU-Fischereiminister einigen sich auf Schutzplan
19. Dez 2003 12:39
Der EU-interne Streit um Fischfangquoten ist geklärt. Gegen den Kompromiss stimmten nur Deutschland und Schweden: Ihnen gehen der Artenschutz nicht weit genug.
Die Fischereiminister der Europäischen Union (EU) haben erstmals sich auf einen über mehrere Jahre laufenden Plan zum Schutz bedrohter Kabeljau- und Seehecht-Bestände geeinigt. Dazu gehören eine Begrenzung der Gesamtfangmengen, die Zuteilung von Fangquoten für die 46 EU-Fischfangzonen und Fangverbote zugunsten des Aufbaus einzelner Bestände.
Gegen die Fangquoten für 2004 stimmten nach Angaben von EU-Diplomaten nur Deutschland und Schweden: Beide Länder bemängeln, das der Schutz für von der Ausrottung gefährdete Fischbestände nicht ausreicht. Belgien enthielt sich der Stimme.
Künast: «Gordischer Knoten durchschlagen»
Dagegen stimmten Berlin und Stockholm für einen Wiederaufbauplan für bedrohte Fischarten. Er soll besonders dem Kabeljau zugute kommen, dessen Bestände in den europäischen Meeren in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken sind.Zuvor war in einer Nachtsitzung bis Freitagmorgen hart verhandelt worden. Trotz der letztendlichen Ablehnung des Ergebnisses war die zuständige Bundesministerin Renate Künast zufrieden. «Jetzt ist der gordische Knoten durchschlagen», sagte sie in Berlin.
30 Prozent mehr Kabeljau pro Jahr
Mit dem Beschluss beginne «eine Wende in der EU-Fischerei-Politik». Dem gefassten Beschluss zufolge sollen die Bestände des Kabeljaus in der Nordsee im Durchschnitt um 30 Prozent pro Jahr wieder aufgefüllt werden. Dies sei «ein guter Schritt», sagte Künast: «Aber wir stehen erst am Anfang.»In Brüssel wurde die Ministerin von Staatssekretär Alexander Müller vertreten, der nach den Verhandlungen von einem Durchbruch sprach. Er war allerdings mit den vereinbarten Fangquoten nicht zufrieden. Diese würden dem Ziel der Wiederauffüllung beim Kabeljau nicht gerecht.
Laichgebiete dürfen gesperrt werden
Damit die Bestände des Kabeljaus nicht weiter in Gefahr gerieten, sei es möglich, Laichgebiete und solche mit vielen Jungtieren vorübergehend zu sperren, betonte Müller. Dabei könne die EU-Kommission eigenständig handeln. Für den Seehecht vereinbarten die Minister eine Quote von vier Prozent, um die sich die Bestände pro Jahr erhöhen sollen. (nz)