19.11.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Hiroo Onoda kurz nach seiner Kapitualtion 1974
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Noch immer sollen auf den Philippinen japanische Soldaten den Zweiten Weltkrieg kämpfen. Japans Regierung will diesen Gerüchten nun nachgehen und lässt sie suchen.
Die japanische Regierung hat einen Suchtrupp des Gesundheitsministeriums in Richtung Philippinen in Marsch gesetzt, der einen etwas seltsam klingenden Auftrag hat: Er soll seit 58 Jahren kämpfende japanische Soldaten zum Aufgeben bewegen.
Seit der Kapitulation der japanischen Führung am 2. September 1945 gibt es Berichte über Soldaten, die diesen als Schande empfundenen Befehl nicht befolgen wollten und weiter kämpften. Insgesamt hatte die Armee 1945 mehr als drei Millionen Mann auf Stützpunkten außerhalb des Landes stationiert, ein Drittel von ihnen auf kleinen Inseln im Pazifik. Sie waren durch Befehle und die Regeln des Bushido gehalten, lieber zu sterben als zu kapitulieren.
Lieber tot als gefangenSchon während des ganzen Krieges hatte dieses Verhalten der japanischen Truppen die Amerikaner das Fürchten gelehrt. So wurden von den 23.000 auf Iwo Jima stationierten Japanern 21.000 während der schweren Kämpfe getötet, lediglich 200 ließen sich lebend gefangen nehmen. Auch nachdem Kaiser Hirohito seinen Truppen das Aufgeben befohlen hatte, weigerten sich viele, auf diese Art ihr Gesicht zu verlieren. Auf den Philippinen sollen es bis zu 4000 Mann gewesen sein, die im Dschungel untertauchten.
So wurden auf Mindanao 1948 200 Soldaten gefangen genommen, die noch immer kämpften, auf der Insel Saipan gab eine Gruppe 1951 auf und einige wenige konnten erst in den siebziger Jahren bewegt werden, Frieden zu schließen.
Beschämte Heimkehr nach 27 JahrenAuf der Insel Guam hielt Shoichi Yokoi bis 1972 aus, bevor er sich ergab. Als er es dann tat, glaubte er, sein Land verraten zu haben und sagte, er kehre nur mit dem Gefühl großer Verlegenheit zurück.
Ein weltweit bekannt gewordener Fall war der von Leutnant Hiroo Onoda, der auf der philippinischen Insel Lubang 29 Jahre lang weiterkämpfte und jeden Versuch der Kontaktaufnahme für eine Kriegslist des Feindes hielt. Erst als die japanische Regierung 1974 seinen ehemaligen Kommandeur fand und nach Lubang schickte, ließ er sich von diesem zum Aufgeben überreden. Er akzeptierte dessen Befehl aufzugeben und kam schließlich in seiner Uniform, mit seinem Schwert und einem funktionstüchtigen Gewehr aus dem Dschungel.
Kontakt abgebrochenDas Gesundheitsministerium glaubt, dass sich auf Luzon noch immer einige Soldaten im Dschungel verstecken. Um sie zur Heimkehr zu bewegen, habe man zwei ehemalige Kameraden von ihnen mitgenommen, so ein Sprecher.
Von den Guerilla-Kämpfern erfahren hatte das Ministerium durch einen auf Luzon lebenden Japaner, der bis zu seinem Tod vor sieben Jahren Kontakt zu der Gruppe hatte. Doch erwarten die Beamten nicht, die Gruppe noch kämpfend zu finden. Viele japanische Soldaten hätten nach dem Ende des Krieges beschlossen, nicht in ihre Heimat zurückzukehren, so ein Sprecher. Wahrscheinlich führten sie inzwischen «ein ganz normales Leben» unter den Einheimischen. (nz)