Krieg im All hat für die USA längst begonnen
18.10.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Dies ist das Ziel des im Jahr 2001 formulierten Strategy Master Plan (SMP) des Air Force Space Command der USA.
Amerikanische Militär-Analysten sehen das ähnlich und betrachten China bereits als Gegner auf einem völlig neuen Schlachtfeld, im Weltraum.
Mitarbeiter in konservativen Denkfabriken gehen noch weiter. Sie glauben, dass China ein neues Pearl Harbor plane, einen Angriff auf die verwundbarste Stelle der USA, ihre Systeme im Weltraum. Denn nahezu alle Daten, auf denen amerikanische Militäraktionen beruhen, stammen inzwischen entweder direkt von Satelliten im All, oder werden über sie weitergeleitet.
«Die Chinesen glauben, dass die USA aufgrund ihrer Abhängigkeit von Weltraum-Systemen verwundbar sind», zitiert die «South China Morning Post» den US-Experten für Chinas Rüstung Paul Godwin, der früher auch für das National War College gearbeitet habe. «Sie glauben, wenn sie unsere Satelliten schwächen, können sie uns wirklich verwunden.»
Die «Washington Post» zitiert daraus, dass eine große Zahl offensiver regionaler Raketenbatterien, unterstützt durch Weltraum-gestützte Spionagesysteme der «Eckpfeiler der PLA im frühen 21. Jahrhundert» sein werden.
Für die USA ist dies längst keine Fiktion mehr. Das bemannte Raumfahrtprogramm der Chinesen hat solche Pläne nach Ansicht des Pentagon real werden lassen. Eine militärische Nutzung der auf zivilem Wege im Weltraum erworbenen Raketen- und Satellitentechnik ist nicht abwegig, Beweise dafür gibt es bisher keine.
Die zivile Weltraumbehörde Nasa gratulierte vorsichtig zu der chinesischen Mission. Sie sei ein «wichtiger Erfolg in der Geschichte der Forschung» so Nasa-Chef Sean O'Keefe.
Die USA hatten mit Alan Shepard wenige Wochen nach den Sowjets ihren ersten Menschen ins All befördert. Bis heute, mehr als 40 Jahre danach, besitzen sie keine funktionierende Technologie, um Satelliten oder aus dem All anfliegende Raketen zu zerstören.
Das ferne Bedrohungsszenario hat jedoch schon jetzt einen ganz realen Nutzen, vor allem für das Pentagon. Es bietet nach dem Verschwinden des alten Feindes Sowjetunion Argumente, um die enorm teure Forschung an solchen Technologien finanzieren und vorantreiben zu können.
«Die Weltraum-Falken benutzen die Bedrohung durch das kommunistische China, um mehr Geld für ihre Programme zu bekommen», so John Pike vom Think-Tank Globalsecurity. «Sie glauben, man könne gar nicht genug Überlegenheit besitzen.»
Und die Bedrohung bietet auch Argumente für politische und wirtschaftliche Blockaden. China ist auf Betreiben der USA nicht an der Internationalen Raumstation ISS beteiligt und wird es auch nie sein. Gary Schmitt arbeitet für einen konservativen Think-Tank namens Project for the New American Century. Die «South China Morning Post» zitiert ihn mit den Worten, jede Kooperation der USA mit China im Bereich Weltraumtechnik würde direkt der chinesischen Armee zugute kommen. «Wir sollten den Chinesen unter dem Deckmantel der friedlichen Kooperation keinen Aufschwung verschaffen. Das hieße den Trottel zu spielen.»
Für das Web ediert von Kai Biermann

