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Suche nach Anna Lindhs Mörder:
Polizei lässt Tatverdächtigen frei

12. Sep 2003 08:56, ergänzt 11:20
Abgesperrter Tatort in Stockholm
Die schwedische Polizei sucht nach dem Mord an Schwedens Außenministerin Lindh noch immer einen verwahrlosten Mann. Ein erster Tatverdächtiger musste nach Verhören am Mittwochabend wieder freigelassen werden.

Thema: Attentat in Schweden
Nach Informationen der schwedischen Tageszeitung «Svenska Dagbladet» hat die Polizei nach dem Mord an der schwedischen Außenministerin Anna Lindh am Mittwochabend einen ersten Tatverdächtigen verhört. Er sei am Morgen wieder freigelassen worden, berichtet das Blatt unter Berufung auf Polizeikreise.

Unklar ist, ob es sich bei dem Mann um einen der Polizei bekannten Gewalttäter handelt, der als dringend verdächtig galt. Unter Berufung auf Ermittlerkreise hatte das Blatt zuvor berichtet, die Polizei suche dringend nach diesem 32-jährigen Obdachlosen. Er soll Lindh bereits mit der Absicht sie zu töten in das Kaufhaus in Stockholm gefolgt sein.

Fingerabdrücke gefunden

Der gesuchte Verdächtige sei ein 32-jähriger Schwede, so die Zeitung. Er sei obdachlos, drogenabhängig, psychisch instabil und gefährlich. Vor einiger Zeit soll er in einer Unterkunft in Stockholm in eine Messerstecherei verwickelt gewesen sein. «Expressen» berichtete, die Polizei habe Fingerabdrücke auf dem Handlauf einer Rolltreppe im NK-Kaufhaus sichergestellt, die auf ihn hinwiesen.

Die Polizei sucht nun nach weiteren Zeugen der Tat. Unbekannt ist derzeit auch noch, wohin der Verdächtige verschwand, nachdem er in dem Kaufhaus über eine Rolltreppe flüchtete.

Der Sprecher der Stockholmer Polizei, Mats Nylen, wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren. «Wir suchen lediglich nach einem einzigen Angreifer», sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Polizeisprecher Lars Grönskog sagte dagegen, die Ermittler hätten noch keinen Hauptverdächtigen ausgemacht.

Kritik an der Stockholmer Polizei

Schwedische Medien kritisierten das Vorgehen der Stockholmer Polizei unmittelbar nach dem Attentat. Wie 1986 beim Mord an Olof Palme habe es Pannen gegeben, hieß es. Die Ermittler sollen erst vier Stunden nach dem Attentat aus dem Fernsehen von der Tat erfahren haben. Doch auch nach Auslösen des Großalarms seien weder U-Bahnen noch der Straßenverkehr gestoppt worden. Der Chef der Geheimpolizei Säpo, Kurt Malmström, lehnte gegenüber Journalisten einen Rücktritt ab.

Politiker kritisierten, die Euro-Befürworterin Lindh habe trotz der zugespitzten innenpolitischen Lage vor dem Euro-Referendum keinen Personenschutz erhalten - Lindh hatte solchen Schutz immer abgelehnt. Malmström verteidigte sich, es habe keine konkrete Gefährdung der Ministerin bestanden.

Im ARD-«Morgenmagazin» kritisierte auch die schwedische Schriftstellerin und Freundin von Lindh, Liza Marklund, den mangelnden Schutz für schwedische Politiker. Schweden sei lang nicht so ungefährlich, wie es in der Öffentlichkeit immer dargestellt werde, sagte sie. Vielleicht aber, so die Schriftstellerin, brauche man auch neue Politiker, die die wachsende Gefahr ernst nähmen. (nz)

 
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