26.08.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Wladimir Gussinski
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der russische Oligarch Gussinski lebt seit drei Jahren im Exil. Am Donnerstag wurde er in Griechenland inhaftiert. Nun will Russlands Justiz seiner habhaft werden.
Russland will die Auslieferung des in Griechenland festgenommenen, russischen Wirtschaftstycoons und früheren Medienunternehmers Wladimir Gussinski beantragen. Ein entsprechendes Gesuch werde vorbereitet, gab die Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag bekannt.
Die russische Justiz legt Gussinski Betrug und Geldwäsche zur Last. Zudem erregte regierungskritische Berichterstattung des Fernsehsenders NTW, der ihm früher gehörte, das Missfallen des Kremls. Aus Angst vor Strafverfolgung nach einer kurzzeitigen Festnahme im Juni 2000 hatte der Oligarch daher Russland in Richtung Spanien verlassen. Ein russisches Auslieferungsgesuch wurde von Madrid im April 2001 abschlägig beschieden.
Entscheidung binnen 30 TagenAm Donnerstag wurde Gussinski nach seiner Ankunft aus Israel auf dem Flughafen von Athen festgenommen. Bevor die griechischen Behörden entscheiden, ob er nach Russland überstellt wird, muss zunächst ein formales Auslieferungsgesuch aus Moskau vorliegen.
Sobald es ausgestellt ist, haben die griechischen Stellen eine Frist von 30 Tagen zur Entscheidungsfindung. Russland und Griechenland haben ein bilaterales Auslieferungsabkommen geschlossen.
Alter Haftbefehl im ZollcomputerRusslands Justiz wirft Gussinski vor, ein Millionendarlehen des Erdgasmonopolisten Gazprom für seinen Medienkonzern Media-Most, den er inzwischen verkaufen musste, falsch verbucht zu haben. Später kam der Vorwurf der Geldwäsche hinzu.
Gussinski besitzt neben der russischen auch die israelische Staatsbürgerschaft. Seine Festnahme am Donnerstag erfolgte nach Informationen der englischsprachigen «Moscow Times» eher zufällig: Die griechischen Einwanderungsbehörden hätten einen gegen ihn ausgestellten Haftbefehl in ihrem Computer gefunden.
Obwohl Interpol auf Anfrage die Existenz dieses Haftbefehls bestritt, hätten russische Stellen auf die Festnahme Gussinskis gedrungen, schreibt die Zeitung. Da der ehemalige Mediengewaltige sich finanziell mit Gazprom und anderen Gläubigern gütlich geeinigt habe, sei die Verhaftung nach Ansicht von Beobachtern politisch motiviert: Die Behörden wollten vor den Parlamentswahlen im Dezember wenigstens einen der ungeliebten Oligarchen hinter Schloss und Riegel bringen. (nz)