Sambia weist Gen-Mais zurück
29.10.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Sambia hat eine Lebensmittelhilfe der USA abgelehnt, obwohl ein Drittel der Bevölkerung Hunger leidet. Der gelieferte Mais ist genmanipuliert. Der sambische Präsident spricht von Gift.
Trotz akuter Hungerkrise hat Sambia eine Lebensmittelhilfe der USA nun endgültig abgelehnt. Der Grund: Der gelieferte Mais ist genmanipuliert. Landwirtschaftsminister Mundia Sikatana folgte damit einer Empfehlung sambischer Wissenschaftler. Die hatten weltweit nach Konsequenzen aus dem Verzehr von Gen-Mais geforscht, nachdem die USA das Lebensmittel vor wenigen Monaten in fünf Länder des südlichen Afrika geschickt hatte, in denen die Bevölkerung Hunger leidet.
Niemand könne derzeit garantieren, dass genmanipulierter Mais gesundheitlich unbedenklich sei, sagte Sikatana. Präsident Levy Mwanawasa bezeichnete den Gen-Mais sogar als Gift.
Opposition: Regierung nimmt Hungertod in KaufNach Angaben eines Reporters des britischen Senders BBC hat die umstrittene Entscheidung einen politischen Streit ausgelöst. Die Opposition im Parlament werfe der Regierung vor, sie nehme fahrlässig den Tod von Millionen von Menschen in Kauf.
Sambia leidet unter anhaltender Dürre. Das Land im Süden Afrikas ist in den kommenden Monaten von einer Hungersnot bedroht, die Schätzungen zufolge 2,9 Millionen Menschen, knapp ein Drittel der Bevölkerung Sambias, in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Hungernde brechen in Mais-Lager einHungernde Menschen waren in den vergangenen Monaten immer wieder in Lager eingebrochen, in denen das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) mehrere tausend Tonnen Gen-Mais aus den USA untergebracht hat. Die Regierung will das WFP nun auffordern, das Lebensmittel wieder zurück zu nehmen.
WFP-Sprecher Richard Lee bedauerte die Entscheidung Sambias. Es werde nun schwer, ausreichend Nahrung für die hungernde Bevölkerung herbei zu schaffen. Selbst mit dem US-Mais hätte nur die Hälfte aller Bedürftigen versorgt werden können. Sambia benötigt 21.000 Tonnen Lebensmittelhilfe monatlich, wenn alle der mehr als 2,5 Millionen Menschen in der Dürreregion im Süden des Landes zu essen haben sollen.
Sorge um Export-NachteileDie Sorge der sambischen Regierung speist sich nicht nur aus gesundheitlichen Bedenken. Es sei außerdem zu befürchten, dass der genmanipulierte Mais ausgesät werde, sagte der Landwirtschaftsminister. Das könnte den Exporthandel Sambias mit Europa gefährden, den das Land nach der Dürre wieder aufzunehmen hofft. Gen-Mais ist dort weitaus umstrittener als in den USA, wo Millionen Bürger ihn täglich konsumieren. (nz)