Wie gesund sind unsere Politiker?
Platzecks Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen wirft die Frage auf: Wie gesund sind überhaupt unsere Politiker?
Von Helmut Schmidt, SPD, Bundeskanzler von 1974-82, stammt die Erkenntnis: «Weder Kennedy noch Roosevelt, noch (die ehemaligen SPD-Vorsitzenden) Ollenhauer oder Schumacher waren gesund. Ein Mann in meinem Alter ist nur im Ausnahmefall ohne Krankheit.» Schmidt war nur zwei Jahre älter als Platzeck heute.
Bei einem Besuch im Elysée-Palast wurde er ohnmächtig. Der damalige Präsident Giscard d'Estaing in seinen Memoiren: «Schmidt stieß ein Röcheln aus, gefolgt von einem lauten Stöhnen, sein Kopf fällt zur Seite, er verdreht die Augen...»
Schmidt litt seit Jahren an einer leichten Hypertonie, ein Zustand artiellen Unterdrucks. Außerdem: Er plagte sich mit Bandscheibenbeschwerden, Schilddrüsenüberfunktion, Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündung und trug einen Herzschrittmacher!
Sein Amtsvorgänger Willy Brandt hatte einen Herzinfarkt, genauso wie der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer. Helmut Kohl wurde am Meniskus und an der Prostata operiert, überstand einen Parteitag nur mit einem Katheter.
Außenminister Hans-Dietrich Genscher hatte mehrere Herzinfarkte, nach seinem Ausscheiden aus dem Amt drei Darmoperationen.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt erlitt einen Herzinfarkt, machte eine Bypass-Operation durch. Wirtschaftsminister Michael Glos (Darmoperation) und Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (schwere Herzerkrankung) schrammten am Tod vorbei.
Gregor Gysi entkam mehrmals nur knapp dem Sensenmann: Herzinfarkte, Gehirnoperation wegen eines erweiterten Blutgefäßes (Aneurysma), Einsetzen von Stents zur Erweiterung verengter Adern.
Roland Koch, Hessens Ministerpräsident, wurde ebenfalls wegen verengter Herzkranzgefäße per Operation ein Ballon-Katheter eingeführt.
Johannes Rau, der in diesem Jahr nach mehreren Operationen starb, hatte Nierenkrebs, eine Gefäßerweiterung an der Bauchschlagader, erlitt mehrmals einen Kreislaufkollaps.
Der FDP-Grande Walter Scheel hatte ein besonders schmerzhaftes Leiden. Er musste mehrmals wegen Nierensteinen beziehungsweise Steinen im Harnleiter operiert werden und reiste daher als Außenminister und später als Bundespräsident nur mit einem Urologen an Bord. Denn, so Scheel: «Wenn man plötzlich Blut pinkelt, erschrickt man sich fürchterlich, und da ist es beruhigend, einen Arzt bei sich zu haben.»
Innenminister Wolfgang Schäuble - abgesehen von Schussverletzungen bei einem Attentat und damit verbundener Querschnittslähmung vom dritten Brustwirbel an abwärts - Leberinfektion (1991), Gallenkolik (1999).
Nur ganz wenige, wie Guido Westerwelle, sind scheinbar rundum gesund.
Und der Nachfolger für den zurückgetretenen Platzeck, der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck? Relativ gesund. Als Jugendlicher schwere Hautkrankheit, 1998 Gallenkolik mit Krankenhausaufenthalt.
Freude, Mäßigkeit und Ruh schließt dem Arzt die Türe zu, sagt ein Sprichwort. Bei Politikern unmöglich.

