29.03.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Gerhard Roth
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Studienstiftung des Deutschen Volkes fordert von der Wirtschaft mehr Engagement für Elite-Nachwuchs. Begabtenförderung sei mehr, «als ein Praktikum bei Siemens anzubieten», sagte Stiftungspräsident Roth.
Der Präsident der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Gerhard Roth, hat die Beteiligung der Wirtschaft an der Förderung Hochbegabter als unzureichend kritisiert. «Der deutschen Wirtschaft ist offenbar nicht genügend klar, dass Begabtenförderung mehr ist, als ein Praktikum bei Siemens anzubieten», sagte Roth der «Welt», wie die Zeitung am Dienstag vorab berichtete.
«Lange galt Hochbegabung als Krankheit»Der renommierte Bremer Hirnforscher erinnerte daran, «dass die überwiegend staatlich finanzierten Institutionen der Begabtenförderung für die Unternehmen ungeheuer viel leisten». Roth bemängelte, das Engagement der hiesigen Wirtschaft stehe «in keinem Verhältnis zu dem, was etwa in den USA geleistet wird».
Insgesamt kümmere sich Deutschland viel zu wenig um seine Eliten, «auch aus politischen und gesellschaftlichen Gründen». «30 Jahre lang galt hier die Hochbegabung als Krankheit: 'Hilfe, mein Kind ist hochbegabt', heißt es in Broschüren. Das ist pervers», so Roth. Hierzulande sei bisher nicht durchsetzbar, dass Hochbegabte «ein bisschen mehr kriegen was im Ausland üblich ist».
IQ von über 125Die Studienstiftung, welcher der Forscher vorsteht, fördere nur 0,3 Prozent aller Studierenden. «Alle Hochbegabten-Förderinstitutionen zusammen fördern nur 0,6 Prozent. Deutschland schöpft nicht annähernd seine Hochbegabungsreserven aus», mahnte der Wissenschaftler. Der Anteil der Geförderten müsse «auf mindestens ein Prozent aller Studierenden» erhöht werden.
Als hochbegabt gelten diejenigen, die einen Intelligenzquotienten (IQ) von 125 und mehr haben. Das sind laut Roth fünf Prozent eines Jahrgangs, ab einem IQ von 130 sind es zwei Prozent. Roth forderte, mit der Begabtenförderung schon im Kindergarten zu beginnen. (nz)