Dohnanyi fordert eigenes Ost-Ministerium
07.04.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Auf die Frage, ob Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) als Koordinator in Frage komme, sagte von Dohnanyi: «Dann müsste er das Verkehrsministerium aufgeben.» Organisatorisch seien beide Aufgaben nicht miteinander vereinbar. Notwendig sei eine Persönlichkeit «mit Osterfahrung, aber mit Vertrauen im Westen». Einen Namen nannte von Dohnanyi nicht, lehnte die Übernahme des Ost-Ministeriums selbst aber mit den Worten «um Gottes Willen» ab.
Mit seinen Äußerungen bezog von Dohnanyi Position in der aktuellen Debatte um den Aufbau Ost. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, steht der frühere Hamburger Bürgermeister an der Spitze eines 13-köpfigen Expertengremiums, das im Auftrag der Regierung Bilanz über die bisher im Osten geleistete Aufbauarbeit ziehen soll. Zuvor hatte das Gremium nicht in der Öffentlichkeit gestanden. Ein Sprecher des Verkehrsministerium nannte es laut «Frankfurter Rundschau» vom Mittwoch ein «Kamingrüppchen».
Die Bilanz der Runde war für die Bundesregierung äußerst schlecht ausgefallen: Die Förderung sei «unkoordiniert» und «konzeptlos» verlaufen, zitierte ein Magazin aus dem Bericht des Gremiums. Um die Situation in Ostdeutschland zu verbessern, schlugen die Berater Presseberichten zufolge eine deregulierte «Sonderwirtschaftszone Ost» vor. Allerdings sind Dohnanyis Pläne auch innerhalb des Gremiums umstritten. Das sagte der Sprecher des Verkehrsministeriums, Felix Stenschke. Gleichzeitig kritisierte er die öffentliche Ausbreitung der Vorschläge. «Es ist nicht Aufgabe dieses Kreises, Öffentlichkeitsarbeit zu machen, sondern zu beraten«, sagte Stenschke.
Zur vorgeschlagenen Strategie gehören eine auf Wachstumskerne konzentrierte Förderung, Zuschüsse für Niedriglöhne und die Deregulierung des Arbeitsmarktes im Osten. Die einzelnen Punkte sind bei Politikern verschiedener Parteien allerdings Kritik gestoßen.

