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Viele Akteure reden bei Bildungsreformen mit
18. Feb 2004 15:56

Mehr junge Menschen zu höheren Bildungsabschlüssen zu führen ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Reformen des Bildungssystems gestalten sich aber schwierig, da wegen geteilter Zuständigkeiten auch Länder und Kommunen mitzureden haben.
 
Thema: Konzepte zur Reform des Bildungssystems
Angesichts eines verschärften internationalen Wettbewerbs in der Wirtschaft, der gut ausgebildete Fachkräfte erfordert, rücken die Leistungsfähigkeiten des nationalen Bildungssystems immer stärker ins öffentliche Interesse. Nach Ansicht von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) muss schon durch eine frühe Förderung in Kindergarten und Schule die Grundlage für Spitzenleistungen in der Zukunft gelegt werden.

Die internationale Schulleistungsstudie Pisa hat die Diskussion über notwendige Reformen im deutschen Bildungssystem angeheizt. Die Untersuchung offenbarte beispielsweise: Deutsche Schüler erbringen nur unterdurchschnittliche Leistungen im Lesen, in Mathematik oder in den Naturwissenschaften. In keinem anderen Industriestaat ist die soziale Herkunft derart entscheidend für den Schulerfolg und die Bildungschancen des Einzelnen wie in Deutschland.

Geteilte Zuständigkeiten im Bildungswesen

Die Bundesregierung zog daraus die Schlussfolgerung, dass das Schulsystem umgestaltet werden muss, um ein höheres Leistungsniveau zu sichern. Mehr Kinder und Jugendliche sollten zu höheren Bildungsabschlüssen geführt werden. Unter dem Schlagwort «lebenslanges Lernen» werden aus Regierungssicht notwendige Maßnahmen zusammengefasst - und zwar in Bezug auf Kindergärten, Schulen, Ausbildungsstätten und Hochschulen.

Die besondere Problematik von Reformen im Bildungsbereich in Deutschland liegt in den geteilten Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern, Kommunen und ausbildenden Betrieben. So bedürfen die Kommunen einer entsprechenden Finanzausstattung durch Bund und Länder, um die geforderten Kindergartenplätze in ausreichender Zahl bereitstellen zu können.

Individuellere Förderung in Ganztagsschulen

Bezüglich der Schulen orientiert sich die Bundesregierung an offensichtlich erfolgreichen Modellen im Ausland, wie etwa den finnischen Ganztagsschulen. Kinder sollen künftig auch am Nachmittag unterrichtet und betreut werden. Ermöglicht würde damit eine individuellere Förderung der unterschiedlichen Stärken und Interessen der Kinder, argumentiert die Bundesregierung. Zugleich würden Ganztagsschulen den Eltern dabei helfen, Familie und Beruf besser vereinbaren zu können.

Mit dem 2003 zwischen Bund und Ländern vereinbarten Investitionsprogramm «Zukunft Bildung und Betreuung» mit einem Volumen von vier Milliarden Euro will die Bundesregierung die Länder beim flächendeckenden Auf- und Ausbau des schulischen Ganztagsangebotes unterstützen.

Erst wenige Bachelor und Master

Im Hochschulbereich ist der Bund zuständig für die Rahmengesetzgebung, während der laufende Betrieb der Hochschulen überwiegend in der Verantwortung der Länder liegt. Mit einer Novellierung des Hochschulrahmengesetzes 2002 sollten beispielsweise Bachelor- und Masterstudiengänge zum Regelangebot der Hochschulen werden.

Die Regierung verspricht sich von diesen international anerkannten Abschlüssen sowohl bessere Berufschancen der Studierenden im Ausland, als auch kürzere Studienzeiten, da die Studiengänge stärker strukturiert seien. Mit dem Bachelor-Abschluss wäre für einen Studenten bereits nach drei Studienjahren ein Berufseinstieg möglich, nach weiteren zwei Jahren schließt der Absolvent mit dem Master-Titel ab. Allerdings nutzen bislang nur rund vier Prozent der Studierenden Bachelor- und Masterstudiengänge, hat die Hochschulrektorenkonferenz ermittelt.

Mit der Einführung der so genannten Juniorprofessur wollte die rot-grüne Bundesregierung Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit geben, früher selbstständig und unabhängig zu lehren und zu forschen. Bis dahin war die Habilitation und die folgende Verleihung des Professoren-Titels die Voraussetzung für diesen Status. Nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz gibt es bislang allerdings erst ein paar hundert solcher Stellen, so dass über den tatsächlichen Erfolg dieser Änderung noch wenig gesagt werden kann.

Streit um Studiengebühren

Zentrales Anliegen der Regierung ist der Zugang zu verschiedenen Bildungswegen unabhängig von der sozialen Herkunft. Sie setzte daher ein grundsätzliche Verbot von Studiengebühren für das Erststudium durch, die auch bisher nicht erhoben wurden. Die Unionsparteien streben dagegen die Aufhebung des Verbots an. CDU und CSU argumentieren, dass sich gleiche Zugangschancen auch durch Förder- und Kreditprogramme gewährleisten lassen. Von der Möglichkeit der Unis, Gebühren zu erheben, versprechen sich die Schwesterparteien einen Qualitätswettbewerb zwischen den Hochschulen um die besten Studenten.

Kritikern aus der Wirtschaft gehen die bisherigen Reformen im Hochschulbereich noch nicht weit genug. Beklagt wird beispielsweise der Mangel an Fachkräften in der IT-Branche, der Elektrotechnik und im Maschinenbau. Technikern aus deutschen Hochschulen fehle es an fachübergreifenden Kenntnissen, etwa in Betriebswirtschaft, sowie an außerfachlichen Fähigkeiten wie Kundenorientierung und sozialer Kompetenz.

Förderung von Elite-Unis

Deutsche Universitäten würden häufig am Markt vorbei ausbilden, heißt es weiter. Zudem dauere das Studium nach wie vor zu lange, kritisiert die Wirtschaft. Abstellen ließen sich die Mängel, wenn die Universitäten eigenständiger agieren könnten. Den Verantwortlichen an den Hochschulen fehle der Spielraum, Ideen zu mehr Qualität und Schnelligkeit umzusetzen. Hochschulen bräuchten daher vor allem finanzielle Autonomie, lautet eine Forderung aus der Wirtschaft.

Eine breite Bildungs-Debatte löste Bundesforschungsministerin Bulmahn (SPD) mit ihren Vorschlag aus, Elite-Hochschulen einzurichten. Bestehende Hochschulen sollten sich demnach um den Status Elite-Universität bewerben können. Die besten würden dann mit Fördermitteln belohnt. Die CDU lehnt die Pläne ab und fordert statt dessen eine stärker wettbewerbsorientierte Förderung der Hochschulen. (nz)



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