netzeitung.deSelbstbewusstsein hilft im Job oft weiter

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Jürgen Hesse (Foto: Eichborn Verlag<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Jürgen Hesse
Foto: Eichborn Verlag
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In den meisten Berufspositionen hilft es, nicht als Duckmäuser zu wirken. Mit dem Ratschlag «Sei selbstbewusst!» allein ist es aber nicht getan, sagen Karriereberater. Zudem muss man die eigenen Grenzen kennen.

Von Andreas Heimann, dpa

Es gibt Menschen, die strotzen vor Selbstvertrauen. Andere kriegen dagegen kaum ein Wort heraus, wenn der Chef auch nur ein bisschen lauter wird. Von Führungskräften wird selbstbewusstes Auftreten indes geradezu erwartet. Aber auch in anderen Berufspositionen kann es helfen, nicht als Duckmäuser zu wirken. Wer sich nichts zutraut, blockiert sich selbst - allerdings gehört zu einem gesunden Selbstbewusstsein auch das Wissen um die eigenen Grenzen.

«Selbstbewusstsein ist ein Schlüssel für den Erfolg im Beruf», sagt Jürgen Hesse, Karriereberater aus Berlin, der gerade ein Buch zu diesem Thema veröffentlicht hat. «Es ist wichtig, um die eigene Position vertreten und auch um Misserfolge verkraften zu können.» Sich nicht nur als kleines Rädchen in einem großen Räderwerk zu fühlen, helfe dabei, im Job tatsächlich etwas zu bewegen.

«Sei selbstbewusst!» reicht nicht
«Wir sind aber nicht trainiert darauf, unsere Stärken zu sehen», sagt Claudia Cornelsen aus Hamburg. Die Autorin und Beraterin bietet Coachings zum Thema «Personality-PR» an, vermittelt Klienten also unter anderem, so selbstbewusst wie nötig zu wirken. «Dabei geht es nicht darum, sich wie ein Gorilla auf die Brust zu trommeln und zu sagen 'Ich bin toll'.» Die Kunst sei gerade, sich selbst zu loben, ohne dass es wie Selbstlob wirkt.

«Man kann sein Selbstwertgefühl durchaus steigern», sagt Jürgen Hesse. Allerdings sei der Ratschlag «Sei selbstbewusst!» genauso absurd wie die Empfehlung, doch mal spontan zu sein: Wichtig ist Hesse zufolge, sich mit der eigenen Unsicherheit und ihren möglichen Gründen auseinanderzusetzen. «Es kann nicht verkehrt sein, darüber nachzudenken, wovor man Angst hat und in welchen Situationen man sich klein fühlt.»

«Es ist durchaus möglich, antrainierte Muster zu verändern», bestätigt der Diplom-Psychologe Johannes Hoppe. «Zum Beispiel kann man sich vornehmen, sich in einer bestimmten Situation etwas zu trauen, wovor man sonst immer Angst hatte.» Das eigene Selbstbewusstsein zu trainieren, empfiehlt auch die Mannheimer Psychotherapeutin Doris Wolf: «Man kann zum Beispiel daran arbeiten, sich seine positiven Eigenschaften bewusst zu machen», sagt sie. Eine gute Übung dafür sei zum Beispiel, einmal aufzuschreiben, was einem an sich selbst gefällt und was man für seine ausgesprochenen Stärken hält.

Kränkungen verarbeiten
Wichtig sei auch, mit kränkenden Erfahrungen fertig zu werden, rät Wolf. «Viele fühlen sich durch solche Erlebnisse abgewertet.» Entscheidend sei, die Kränkung zu verarbeiten: «Ich muss überlegen: Was ist mein Anteil dabei, was kommt von außen?», empfiehlt die Psychotherapeutin. Manchmal würden aus dem Verhalten der Mitmenschen einfach falsche Schlussfolgerungen gezogen.

Deshalb sei es sinnvoll, die Situation, in der man sich gekränkt gefühlt hat, zu analysieren, erläutert Wolf. «Was genau hat der Kollege gesagt? Warum gibt der Chef Aufgaben, die ich als meine betrachte, anderen?» Möglicherweise lässt sich dann schon erkennen, dass die Gründe dafür gar nichts mit der betreffenden Person zu tun haben.

Schüchternheit akzeptieren
Immer selbstbewusst und schlagfertig wirken zu wollen, ist allerdings kein empfehlenswertes Ziel, warnt Johannes Hoppe. «Wenn ich nun einmal schüchtern und zurückhaltend bin, muss ich das nicht ändern.» Entscheidend sei dann, das zu akzeptieren und sich nicht unter Druck zu setzen. «Zu viel Selbstbewusstsein kann sogar schlecht sein», ergänzt Jürgen Hesse. «Wer protzt, wirkt unsensibel oder selbstherrlich.»

Ein Trost für alle, die unter Selbstzweifeln leiden: Manchmal sind Minderwertigkeitskomplexe sogar der Antrieb für beruflichen Aufstieg. Denn nicht immer sind es die vor Selbstbewusstsein strotzenden «Alpha-Tiere», die Karriere machen: «Oft kompensieren gerade die aus der zweiten Reihe durch beruflichen Erfolg ihr angeknackstes Selbstwertgefühl», sagt Hesse. «Man muss für den Weg nach oben dann allerdings schon über eine gewisse Energie verfügen.»

Jürgen Hesse, Christian Schrader: Selbstbewusstsein. Woher es kommt - wie man es stärkt
Eichborn Verlag 2005
14,90 Euro