«Mobbing am Arbeitsplatz kann jeden treffen»
13.04.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Gezielte und systematische Schikane am Arbeitsplatz ist ein weit verbreitetes Phänomen. In Deutschland leiden laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) etwa drei Prozent der Beschäftigten unter Mobbing. Einer aktuelllen Studie des Deutschen Rechtsanwalt Zentralrufs zufolge haben mehr als 17 Prozent der Arbeitnehmer bereits arbeitsrechtliche Beratung hierzu in Anspruch genommen, während weitere zehn Prozent den Betriebsrat oder die Firmenleitung eingeschaltet haben.
«Es kann jeden treffen», sagt Mobbing-Expertin Beate Beermann von der BAuA der Netzeitung. «Das typische Mobbing-Opfer gibt es nicht. Es kann den Faulen in einer fleißigen Gruppe oder den Fleißigen in einer faulen Gruppe treffen.» Doch wie definiert man Mobbing? «Die Arbeitsmedizin spricht von einem schikanösen und feindseligen Verhalten gegenüber einer bestimmten Person über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Ziel, diese Person aus dem Job zu drängen», fügt sie hinzu.
Der zermürbende Kleinkrieg geht von Kollegen, aber auch von Vorgesetzten aus. Die Betroffenen werden geschnitten oder wie Luft behandelt. Es werden Gerüchte verbreitet, Informationen gar nicht oder falsch weitergeleitet, Arbeitsleistungen kränkend beurteilt oder erniedrigende Tätigkeiten übertragen.
«Das größte Problem bei Mobbing ist, dass es von den Betroffenen erst gar nicht richtig wahrgenommen wird», so die Psychologin. «Sie suchen den Fehler zunächst bei sich selbst und fragen sich: Habe ich etwas Falsches gesagt oder getan». Dabei habe Mobbing mit dem eigenen Verhalten meist nichts zu tun: «Es ist völlig egal, wie man sich selbst verhält.»
Zwar macht die alltägliche Schikane physisch und psychisch krank, doch als Krankheit ist Mobbing nicht anerkannt. «Die Symptome sind meist unspezifisch und nicht eindeutig zuzuordnen», begründet Beermann die Haltung der Krankenkassen. Die Beschwerden seien von Fall zu Fall unterschiedlich: So reagieren manche mit starken Magenbeschwerden oder schweren Schlafstörungen, andere wiederum klagen über Kopfschmerzen oder Neurodermitis. Die psychischen Symptome reichen von Konzentrationsstörungen und Depressionen bis hin zu Angstzuständen.
«Der beste Schutz ist die Fähigkeit, seine eigene Situation analysieren zu können», betont die Expertin. Wenn der Betroffene analysieren kann, in welcher Lage er sich befindet, kann er schneller und besser reagieren. Das lässt sich nach Ansicht von Beermann durchaus trainieren. So gibt es die Möglichkeit von Gesprächs- und Konfliktlösungsseminaren oder aber Hilfe in Form von Supervision: «Dies hilft, die eigene Wahrnehmung zu schärfen.»
«Wichtig ist dabei, die Vorgesetzten zu sensibilisieren und ein Bewusstsein für Mobbing zu schaffen.» Ein gutes Arbeitsklima, Transparenz und klare Strukturen sind ebenso bedeutende Faktoren. Dagegen begünstigen Stress, hohe Arbeitsbelastung, großer Konkurrenzdruck und ständige Überforderung von Mitarbeitern die Schikane am Arbeitsplatz.

