netzeitung.dePolitik gibt Industrie Schuld an Abwanderung

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Björn Böhning (l.) und Philipp Mißfelder (Foto: dpa/nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Björn Böhning (l.) und Philipp Mißfelder
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Mit Empörung haben Jusos und Junge Union auf das Bedauern des DIHK reagiert, dass vor allem junge, gut ausgebildete Menschen Deutschland verlassen. Gerade die Wirtschaft sei schließlich für die Abwanderung verantwortlich.

Die Nachwuchsorganisationen der Koalitionsparteien machen die Wirtschaft für die Auswanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus Deutschland verantwortlich. Die mangelnde Bereitschaft der Unternehmen, junge Leute einzustellen, sei ein Skandal, sagte der Juso-Vorsitzende Björn Böhning in der «Thüringer Allgemeinen». Auch die Ausbildungszusagen würden seit Jahren nicht eingehalten.

Der Vorsitzende der Jungen Union von CDU/CSU, Philipp Mißfelder, sagte derselben Zeitung, den Begriff «Generation Praktikum» gebe es ja schon. So seien viele Unternehmen offenbar der Auffassung, dass es sich rechne, wenn man Leute unbezahlt arbeiten lasse. Stattdessen sei auch die Wirtschaft gefordert, Innovationen in Deutschland stattfinden zu lassen und nicht ins Ausland zu verlagern.

Schavan: Zahlen für 2006 besser
Damit reagierten Böhning und Missfelder auf Äußerungen von Ludwig Georg Braun, dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Braun hatte am Montag bedauert, dass von den 145.000 im vergangenen Jahr aus Deutschland Abgewanderten die meisten jung und gut ausgebildet seien. Experten bestätigten, dass bessere Arbeitschancen im Ausland der Hauptgrund für steigende Auswandererzahlen seien.

Auch die Bundesregierung äußerte sich besorgt über die Abwanderung vor allem junger Fachkräfte. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte der «Bild»-Zeitung, die Regierung habe es zu ihrer Priorität gemacht, «junge, motivierte Leute» in Deutschland zu halten. Es gebe bereits Anzeichen dafür, dass die Zahlen für 2006 besser seien.

Keine Erleichterungen bei Zuzug
Die Bundesregierung will unterdessen auf Erleichterungen beim Zuzug hochqualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland verzichten. «Das Arbeitsministerium betrachtet die gegenwärtigen Regelungen als völlig ausreichend», sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Dieter Wiefelspütz, der «Süddeutschen Zeitung». Damit sei eine Neuregelung mit Erleichterungen für Akademiker und andere Spitzenkräfte vom Tisch, auf die sich die Experten von Union und SPD bereits verständigt hätten.

Derzeit erhalten Fachkräfte den Angaben zufolge erst ab einem Einkommen von etwa 85.000 Euro im Jahr eine Erlaubnis, sich dauerhaft niederzulassen. Den ursprünglichen Plänen zufolge hätte das Mindesteinkommen für Zuwanderer bis etwa 30 Jahre demnach auf 63.000 Euro gesenkt werden sollen.

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts, Thomas Straubhaar, forderte, Existenzgründungen zu erleichtern sowie Arbeits- und Steuergesetze zu vereinfachen. «Wir dürfen gerade denen, die Jobs schaffen wollen, nicht ständig Verwaltungs-Knüppel zwischen die Beine werfen», sagte er. (nz)