netzeitung.deZunehmende Kritik an Ich-AG

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Auch wenn viele Ich-AGs gegründet werden, sehen Kritiker in der Unternehmensform nur eine Verschönerung der Arbeitsmarkt-Statistik. Die Existenzgründung sei häufig nur eine «Verzweiflungstat».

Kritik an der Ich-AG hat mit Zahlen aus Hamburg neue Nahrung erhalten. Wie die Zeitung «Die Welt» am Montag berichtete, haben dort im Zeitraum Januar bis April zwar deutlich mehr Arbeitslose die Gründung einer Ich-AG gewagt als in der Vorjahresperiode. Zehn bis 15 Prozent der Ich-AGs seien aber gar nicht mehr am Markt.

Dem Blatt zufolge wagten in den ersten vier Monaten dieses Jahres 1169 Arbeitslose in der Hansestadt den Schritt in die Selbstständigkeit in Form einer Ich-AG. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es lediglich 270 gewesen. Damit liege Hamburg mit insgesamt rund 2300 Ich-AGs an der Spitze aller Bundesländer.

Allerdings lägen noch keine genauen Zahlen darüber vor, wie viele Ich-AGs bereits wieder verschwunden sind, so die «Welt» weiter. In der Hansestadt sind dem Bericht zufolge 2003 sechs Millionen Euro für diese Form der Existenzgründungshilfe ausgegeben worden. In diesem Jahr sollen es für Erst- und Zweitbewilligungen rund 20 Millionen Euro sein.

Ich-AGs nur zur Statistik-Verschönerung
Kritiker monieren die hohen Kosten angesichts der geringen Überlebenschancen mancher Ich-AGs. «Die meisten brechen zusammen, wenn im zweiten Jahr die Zuschüsse sinken», zitierte die Zeitung Christian Hahn-Godeffroy, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU) in Hamburg. Die Ich-AG bringe keine neue unternehmerische Aktivität, sondern diene einzig dazu, die Statistik zu verschönern.

Diese Form der Selbstständigkeit sei meist nur eine «Verzweiflungstat» und helfe vielen lediglich dabei, «das Problem der Scheinselbstständigkeit auszuhebeln», so Godeffroy. Er forderte die Politik stattdessen dazu auf, die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Kommunen zu unterstützen und durch eine vernünftige Steuer- und Sozialpolitik die Bedingungen für erfolgreiches Unternehmertum zu verbessern.

Ähnlich äußerte sich Peter Becker, Präsident der Handwerkskammer. Er glaube nicht, dass aus den Ich-AGs vernünftige Betriebe entstünden, zitierte ihn die «Welt». Becker warf den Existenzgründern vor, nur daran interessiert zu sein, länger Leistungen zu kassieren. Er kritisierte außerdem, dass Ich-AG-Gründer keinen von fachkundiger Seite geprüften, tragfähigen Geschäftsplan vorlegen müssten. Es sei unverantwortlich, die Arbeitslosen ohne Vorbereitungen in die Selbstständigkeit zu entlassen. (nz)