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Opposition für Senkung der Lehrlingsgelder
06. Apr 2004 20:46

CDU/CSU und FDP haben vorgeschlagen, Betriebe sollten die Vergütungen für ihre Azubis drastisch senken dürfen. Dies schaffe Anreize zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze. Koalition und Gewerkschaften sind entsetzt.
 
Die jüngsten Pläne der Union zur Reform der Ausbildung in Deutschland sind erwartungsgemäß bei den Gewerkschaften auf heftige Kritik gestoßen. Die Idee, das Lehrlingsgeld drastisch zu senken, um so die Unternehmen zur Schaffung von Ausbildungsplätzen zu bewegen, sei «skandalös», sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters.

Die Höhe der Ausbildungsvergütung sei Aufgabe der Tarifparteien und dürfe nicht «in das Belieben der Betriebe gestellt werden», so Peters. Die Bildungsexpertin der Union, Katherina Reiche, hatte am Dienstag gefordert, Betriebe sollten die Ausbildungsvergütungen bis zu einem Drittel von der in der Region und Branche durchschnittlichen Vergütung unterbieten dürfen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf will die Union in Kürze in den Bundestag einbringen.

Auch Vertreter der rot-grünen Koalition lehnten die Vorschläge ab. Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke nannte den Vorstoß «Lohndumping», die SPD wies den Vorschlag als «Eingriff in die Tarifautonomie» zurück. Es könne keine Lösung der Lehrstellenkrise auf dem Rücken der Auszubildenden geben, sagte SPD-Fraktionsvize Nicolette Kressl.

FDP: Um bis zu 50 Prozent senken

Mehr in der Netzeitung:
Reiche erklärte, zwei Drittel der Unternehmen begründeten ihren Verzicht auf Lehrlinge mit zu hohen Ausbildungsvergütungen. Derzeit erhalten Auszubildende im Schnitt 300 bis 900 Euro pro Monat. Die FDP geht noch weiter: Sie forderte gar eine Senkung der Lehrlingsgelder um bis zu 50 Prozent, wie FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper sagte.

Beifall erhielt die Opposition von den Arbeitgebern. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes BDA, Dieter Hundt, sagte, er begrüße «nachdrücklich» die Vorschläge zur Flexibilisierung der Ausbildungsvergütungen. Sie seien «eine konstruktive und zukunftsweisende Alternative zum rot-grünen Irrweg der Zwangsabgabe».

Union für mehr Flexibilität

Die Union schlug außerdem vor, die Ausbildungsordnung zu vereinfachen. Geplant ist demnach, die zweijährige Ausbildung zu forcieren und schneller neue Berufsbilder zu schaffen. Mit neuen praxisorientierten Berufsbildern sollten auch nicht so theoriestarke Jugendliche eine Perspektive erhalten, sagte Reiche.

Reiche warnte zugleich, die von Rot-Grün geplante Ausbildungsplatzabgabe werde zu einer «nochmaligen Verschärfung am Ausbildungsmarkt» führen. Der Union-Bildungsexperte Uwe Schummer (CDU) forderte die Regierungsfraktionen auf, das geplante Gesetz zur Ausbildungsplatzabgabe «wieder einzukassieren». Er forderte statt dessen mehr Flexibilität: So müsse es möglich sein, bei einem Abbruch der Ausbildung fehlende Teile später nachzuholen. Dazu müssten Berufsausbildungen in Stufen absolviert werden können. (nz)



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