Deutsche haben kaum noch Hoffnung auf eine dauerhafte Festanstellung
09.12.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Die überwiegende Mehrheit der Deutschen rechnet damit, in Zukunft häufiger den Arbeitsplatz wechseln zu müssen und dabei flexibler zu arbeiten. Die Unternehmen setzen ihrerseits auf lebenslanges Lernen der Mitarbeiter.
Die überwiegende Mehrheit der Deutschen geht nicht mehr davon aus, künftig einen «Arbeitsplatz fürs Leben» zu haben. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage hervor, die die Auftrag gebende Initiative «Zukunftsvertrag Zeitarbeit» am Dienstag in Berlin vorstellte. Demnach rechnen 80 Prozent der Befragten damit, dass eine dauerhafte Vollzeitstelle am deutschen Arbeitsmarkt künftig die Ausnahme und wechselnde Beschäftigungen mit flexiblem Arbeitszeitmodellen die Regel sein werden. Unter den befragten Unternehmen seien sogar 87 Prozent dieser Meinung, hieß es weiter.
Mitarbeiter finden Arbeitszeitkonten attraktivDabei habe mit 44 Prozent der größte Teil der befragten Arbeitszeitkonten als attraktivste Form der flexiblen Beschäftigung genannt, hieß es weiter. Als zweithäufigste Nennung folgten demnach mit 29 Prozent bezahlte Überstunden. Telearbeit sei von 24 Prozent, Teilzeitarbeit von 23 Prozent der Befragten als attraktiv eingestuft worden.
Das deckt sich nicht ganz mit den Modellen, auf die die Unternehmen setzen: Hier nannte die Befragten Entscheider in den Firmen mit 79 Prozent befristete Arbeitsverträge, die in ihren Firmen eingesetzt würden. Allerdings folgten mit 78 Prozent der Einsatz von Teilzeitarbeit und mit 70 Prozent Arbeitszeitkonten nur mit knappen Abstand. In 66 Prozent der befragten Unternehmen werden bezahlte Überstunden zur Flexibilisierung der Arbeitszeit eingesetzt, wie es weiter hieß.
Kaum noch einfache TätigkeitenDen Entscheidern fällt der Umfrage zufolge als Assoziation für die künftige Arbeit vor allem die Notwendigkeit seitens der Arbeitnehmer zur ständigen Weiterbildung, zum so genannten lebenslangen Lernen ein. Dabei rechnen die Firmen damit, dass die Ausübung einfacher Tätigkeiten in der deutschen Arbeitswelt immer mehr zurückgehen wird.
Unter den befragten Menschen überwiegt indes die Vorstellung, dass künftig immer mehr Informationstechnologien (IT) am Arbeitsplatz eingesetzt werden. Sie rechnen demnach mit einem steigenden Einsatz des Internets und am Arbeitsplatz. Damit geht aber eng die Befürchtung einher, dass durch den verstärkten IT-Einsatz immer mehr Jobs verloren gehen werden.
Einkommen steigt nicht mehr mit dem AlterDas mag sich auch hinter der Befürchtung verbergen, dass 79 Prozent der Bevölkerung nicht mehr damit rechnen, dass das Einkommen künftig selbstverständlich mit dem Lebensalter ansteigen wird. Unter den befragten Unternehmen ist diese Antwort mit 87 Prozent sogar noch stärker verbreitet.
Forsa hat nach Angaben der Initiative, hinter der mehrere große Zeitarbeitsfirmen stehen, Mitte Oktober 1005 Deutsche im Alter ab 14 Jahren befragt und kam so zu repräsentativen Ergebnissen über Assoziationen, Erwartungen und Befürchtungen, aber auch Erfahrung mit zukunftsfähigen Arbeitsmodellen. Kurz zuvor seien 500 so genannte Entscheider zum Thema befragt worden, die in Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern für Strategie, Weiterentwicklung der Arbeitsorganisation und des Personalmanagements verantwortlich sind. (nz)