28.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Zeit für die Familie bleibt wenig
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wer die Straße zu seinem Zuhause machen möchte, hat gute Berufsaussichten als Kraftfahrer. Allerdings reicht es nicht, nur einen Führerschein zu haben und gerne Brummis zu fahren.
Lkw-Fahrer sitzen nach gängiger Vorstellung den ganzen Tag hinterm Steuer und verstopfen mit ihren Lastern die Autobahnen. Zu den Zielen der 2001 geänderten Ausbildungsverordnung gehörte es, solche Vorurteile zu bekämpfen und angehenden Berufskraftfahrern zu einer anerkannten Qualifizierung zu verhelfen. Der Bedarf an ausgebildeten Lkw-Fahrern ist da mittlerweile werden sie vielerorts gesucht.
«Der Beruf ist in einem starken Wandel», sagt Holger Brätsch, Koordinator der «Ausbildungspartnerschaft Berufskraftfahrer» in Bremerhaven. Zu Beginn vor sieben Jahren waren es nur ein paar Azubis, die das Angebot der Ausbildungsinitiative von Speditionen und regionalen Busbetrieben annahmen. Im vergangenen Jahr fanden sich schon 70 Anfänger für das unter anderem von der Europäischen Union (EU) geförderte Ausbildungsprogramm. «Es reicht nicht mehr, nur den Führerschein zu haben», sagt Brätsch.
Allrounde-Talente auf der StraßeAuf ihren Touren müssen sich Berufskraftfahrer dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn zufolge als Allround-Talente erweisen: Sie kontrollieren, warten und pflegen ihre Fahrzeuge. Sie planen ihre Fahrten so, dass wenig Zeit und Treibstoff verschwendet werden. Und sie sind für die Fracht- und Ladungssicherung zuständig.
Für den Busfahrer steht die Verantwortung für seine Fahrgäste im Vordergrund. Und bei alldem müssen die Fahrer auch noch die Straße im Blick behalten. Die Auszubildenden bekommen daher neben Fahrpraxis und technischen Kenntnissen auch einiges über eigenverantwortliche Abwicklung und betriebswirtschaftliche Aufgaben beigebracht. Seit der Neuordnung dauert die Ausbildung nach der Berufskraftfahrer-Ausbildungsverordnung (BKV) drei Jahre und findet in einem Speditions- oder Busbetrieb sowie in der Berufsschule statt.
Wenig Zeit für die FamilieHeimweh sollte für einen Fernfahrer am besten ein Fremdwort sein: Der Trucker übernachtet meist auf Rastplätzen in seiner Fahrerkabine und sieht Familie und Freunde tage- oder sogar wochenlang nicht. «Wer im Fernverkehr unterwegs ist, hat meistens nur den Sonntag für seine Familie Zeit», sagt der ehemalige Lkw-Fahrer Sebastian Hohm. «Zwar ist die Bezahlung besser geworden, aber man gibt auch fast sein gesamtes Privatleben dafür auf», zieht der 31-Jährige Bilanz, der aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf aufgeben musste.
Wer sich aber dazu entschließt, aus dem Lkw sein zweites Zuhause werden zu lassen, braucht sich um seine berufliche Zukunft wenig zu sorgen. «Das ist das Tolle an dem Beruf: Wer einen Ausbildungsplatz hat, der wird übernommen», sagt Brätsch. Der hohe Bedarf an qualifizierten Fahrern hat dem Bundesamt für Güterverkehr (BAG) in Köln zufolge verschiedene Gründe: Einerseits wächst der Güterverkehr kräftig, andererseits scheiden viele Fahrer altersbedingt aus. (Friederike Albrecht, dpa)