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Kinder und Karriere: 

Initiative gegen Burnout berufstätiger Mütter

25. Apr 2008 14:57
Kinder machen Freude, aber auch Stress
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Ein Herzinfarkt ist gefährlich, aber sichtbar, ein «Infarkt der Seele» oft nicht: Dafür sind besonders Mütter mit der Doppelbelastung Kinder und Karriere prädestiniert. Selbsterkenntnis hilft oft schon.


Die Erschöpfung kam schleichend. Irgendwann fiel Elisabeth H. selbst das Aufstehen schwer. In der Ehe der Managerin kriselt es, der Spagat zwischen Kindern und Karriere kostet sie immer mehr Kraft. Rückenschmerzen verschlimmern die Situation.

Doch bei einem Präventionskurs gegen das Burnout-Syndrom (englisch: to burn out - ausbrennen) in Bremen zieht die berufstätige Mutter gerade noch rechtzeitig die Notbremse vor dem großen Zusammenbruch und atmet auf: «Ich hatte das Gefühl, ich sitze im Hamsterrad und das Leben rauscht an mir vorbei.»

Mehr als 70 Arbeitsstunden

Hellen Heinemann vom Hamburger Institut für Burnout-Prävention spricht vom «Infarkt der Seele», der immer mehr berufstätigen Müttern drohe. «Sie kommen mit ihren Pflichten im Büro und in der Familie auf mehr als 70 Arbeitsstunden pro Woche», bilanziert die Sozialpädagogin. Sie leitet das Bremer Seminar, zu dem sich sechs Frauen angemeldet haben, die anonym bleiben wollen. «Das Thema ist schambesetzt, weil es gerade die Frauen trifft, die hoch motiviert sind und sich einen drohenden Zusammenbruch schwer eingestehen können», erklärt Heinemann.

In Zusammenarbeit mit der Techniker-Krankenkasse versucht das Institut in Präventionskursen den Teufelskreis von Erschöpfung und Überforderung zu brechen. Die permanente Belastung bringe Seele, Körper und das soziale Gefüge eines Menschen aus dem Gleichgewicht, erläutert Heinemann. «Wir analysieren den Tagesablauf und suchen nach kleinen Veränderungen mit Hebelwirkung.» Dazu zählt die Burnout-Expertin entspannende Pausen zwischen Büro und den Schularbeiten mit den Kindern, beispielsweise auf einem Spaziergang.

Grenzen setzen, Zeitung lesen

Frauen sind nach Erfahrung von Heinemann besonders anfällig für das Burnout-Syndrom, weil sie Partnerschaft, Haushalt und Beruf perfekt unter ein Dach bringen wollen. Auf die unvermeidliche Überlastung reagiert der Körper dann mit Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Depressionen. «Immer mehr Frauen werden mit einer psychischen Störung krankgeschrieben», erläutert Karin Scheerer, Präventionsberaterin bei der Techniker-Krankenkasse.

Selbsterkenntnis ist bei den Betroffenen der entscheidende Schritt, um dem drohenden Burnout zu entgehen. Die Erwartungen, die berufstätige Mütter an ihren Alltag stellen, sollten Heinemann zufolge überprüft und bescheidener festgelegt werden. Die Frauen müssten Grenzen setzen, Aufgaben delegieren und lernen, sich zu erholen.

«Das kann morgens schon die halbe Stunde in aller Ruhe mit der Zeitung und dem Pott Kaffee sein», verdeutlicht Heinemann. Elisabeth H. hat sich nach dem Präventionskurs fest vorgenommen, sich nicht mehr als Opfer durch den Tag treiben zu lassen, sondern selbst zu gestalten. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wolle sich im Haus ein Zimmer ganz für sich alleine einrichten - «als Rückzugsraum und Wohlfühloase.» (Dieter Sell, epd)


 
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