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Extremer Anstieg: 

Betriebe produzieren mehr psychisch Kranke

22. Apr 2008 15:44
In der Schule ist der Frust oft besonders groß.
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Besonders leiden Ärzte, Lehrer und Lokführer unter den Arbeitsbedingungen. Die Schuldigen an der Misere sehen Experten in den Führungsetagen. Dort mangele es vor allem an einer bestimmten Fähigkeit.


Wenig Lob, längere Arbeitszeiten und Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes führen in Deutschland zu einer drastischen Zunahme von psychischen Erkrankungen. Das geht aus einem am Dienstag in Berlin vorgestellten Bericht des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen hervor.

So ist der Anteil der Krankmeldungen wegen psychischer Probleme bundesweit von 2001 bis 2005 stark gewachsen - er stieg von 6,6 auf 10,5 Prozent. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Zeitdruck, mangelnde Wertschätzung, Komplexität der Aufgaben sowie ein Ungleichgewicht zwischen beruflicher Leistung und Lohn stressen Arbeitnehmer und können sie langfristig krank machen. Davon sind Ärzte, Lehrer und Lokführer besonders stark betroffen.

Frust ohne übergeordnete Ziele

«Arbeit ist heute gekennzeichnet durch Unsicherheit», sagte die Vizepräsidentin des Psychologenverbandes, Thordis Bethlehem. Mitarbeiter müssten heute mobil, zeitlich flexibel und in möglichst vielen Themenbereichen einsetzbar sein. «Wenn die Mitarbeiter dann aber in ihrer Arbeit keinen Sinn und kein übergeordnetes Ziel sehen, werden sie frustriert», erklärte die Diplompsychologin die Ergebnisse des Berichts, der auf wissenschaftlichen Arbeiten von Universitäten und der Auswertung von Psychologen-Erfahrungen basiert.

Problematisch sei dabei, dass Führungskräfte die Leistungen ihrer Mitarbeiter und deren Probleme häufig gar nicht bemerkten. «Wir haben in Deutschland nicht nur ein Problem mit Managergehältern, wir haben einen weit verbreiteten Mangel an Managerqualitäten», so Bethlehem.

Lob unerlässlich

Führungskräfte müssten demnach ihre Mitarbeiter loben, Zielgespräche führen, sie über mittelfristige Pläne informieren und Transparenz über die Arbeit im Unternehmen schaffen. Wer dagegen das Gefühl hat, er werde wahllos in neue Projekte gesteckt und müsse sich verausgaben – ohne dafür Anerkennung zu bekommen – der hat laut Bethlehem ein deutlich erhöhtes Risiko, an Burnout oder anderen psychischen Störungen zu erkranken.

Besonders gefährdet sind dem Bericht zufolge die Berufsgruppen der Ärzte, Lehrer und Lokführer: Mindestens 20 Prozent der Mediziner leiden an einem Burnout-Syndrom, die Selbstmordraten sind bei Medizinerinnen um knapp das Fünffache erhöht. Bei Lehrern hingegen sind 24 Prozent aller Frühpensionierungen auf psychische Probleme zurückzuführen. Schwierig ist den Angaben zufolge vor allem, dass Lehrer zwar gesellschaftliche Defizite wie mangelndes Sozialverhalten der Jugendlichen ausgleichen sollen - ihr Beruf gleichzeitig aber unter einer «erheblichen Geringschätzung» leidet.

Auch Arbeitlose betroffen

Doch auch ohne Arbeit drohen psychische Störungen. Arbeitslose leiden laut Bericht häufiger unter verschiedenen Erkrankungen und einer besonders niedrigen Lebensqualität. Angesichts der derzeitigen Situation müsse man außerdem davon ausgehen, dass junge Menschen mit ziemlicher Sicherheit irgendwann einmal arbeitslos würden, sagte Mitautor Elmar Brähler. Das allerdings könnte einen Teufelskreis in Gang setzen - denn allein die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes kann bekanntlich auch psychisch krank machen. (dpa)

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