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Probleme mit der Schichtarbeit: 

Arbeiten gegen die innere Uhr

07. Apr 2008 12:12
Zu jeder Zeit müssen die Hafenarbeiter die großen Containerschiffe löschen
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Wie ein kleiner Jetlag: Wer in Schichten arbeitet, kommt völlig aus dem Takt. Der Körper braucht ein paar Tage, um sich auf den unterschiedlichen Schlaf-Wach-Rhythmus einzustellen.

Am anstrengendsten ist die Nacht - obwohl es dann am wenigsten zu tun gibt. Der Körper ist auf Schlafen eingestellt, doch Ullrich Grubig steht an den Maschinen. Der Zerspannungsmechaniker muss bis 5.00 Uhr durchhalten. Erst danach kann er für ein paar Stunden ins Bett. «Am Tag ist man dann schon gereizter und angespannter, irgendwie ist man nicht 100 Prozent da», sagt er. Erfahrungen, die andere Schichtarbeiter teilen.

Ullrich Grubig hat noch Glück, dass die Nachtschicht in seiner Firma in Schwarzenbek bei Hamburg so früh endet. «Ist zum Beispiel erst um 8.00 Uhr Schluss, ist es meistens schon hell, bis man ins Bett kommt, und man kann noch schlechter schlafen», sagt Daniel Hicklin von der Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach in der Schweiz, die eine Schichtarbeitsberatung anbietet. Denn der Körper ist zu diesem Zeitpunkt auf Aktivität ausgerichtet - nicht auf Schlaf.

«Besonders anstrengend ist die Nachtschicht»

Viele Firmen arbeiten im Drei-Schicht-System: Früh-, Spät- und Nachtschichten wechseln sich ab. «Heute wird empfohlen, alle zwei bis drei Tage zu rotieren», erklärt Ingo Fietze von der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung in Berlin. Dann kann sich der Körper besser umstellen. Ideal ist ein Wechsel von der Früh- in die Spät- und dann in die Nachtschicht mit einem Tag frei.

«Besonders anstrengend ist die Nachtschicht», sagt Fietze. Die Körpertemperatur sinkt nachts ab und der Schlafdrang ist höher. «Man ist dann viel müder und macht Fehler.» Wer weiß, dass er Probleme mit der Nachtschicht hat, sollte zwei oder drei Stunden vorschlafen. «Dann komme ich erholter in die Nacht und weiß, dass ich am nächsten Tag nicht acht Stunden Schlaf brauche. Die schaffe ich eh nicht.»

Koffein bleibt lange im Blut

Doch auch die Frühschicht kann in die Knochen gehen. «Je früher es losgeht, desto weniger Schlaf bekommt man», sagt Hicklin. Fängt eine Schicht zum Beispiel um 4.00 Uhr an, stehen die Mitarbeiter mitten in der Nacht auf und fahren zur Arbeit. Damit sie das durchhalten, müssten sie abends früh ins Bett. «Aber oft ist man noch nicht müde und setzt sich unter Druck, möglichst schnell einzuschlafen.»

Ein paar Regeln helfen, die Schichten besser zu überstehen. «Wenn ich in die Nachtschicht gehe, trinke ich am Anfang eine Kanne Kaffee», erzählt Ullrich Grubig. Kaffee braucht rund 20 Minuten, bis er wirkt, «deshalb bringt es nichts, ihn zu trinken, wenn man schon müde ist», sagt Fietze. Das Koffein habe eine Wirkdauer von vier bis sieben Stunden im Blut - wer also um 2.00 Uhr noch Kaffee trinkt, kann möglicherweise um 7.00 Uhr nicht einschlafen.

Nur kleine Mahlzeiten zwischendurch

Schwere Mahlzeiten in der Nacht sind tabu. Denn Magen und Darm sind träger, die Verdauung funktioniert schlechter. Wer in die Nachtschicht geht, sollte vorher eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen und zwischendurch Kleinigkeiten essen.

Menschen mit Einschlafproblemen können sich auf der Fahrt nach Hause eine Sonnenbrille aufsetzen. «Denn Licht ist ein Wachmacher», erklärt Fietze. Die Nachtarbeiter gehen am besten sofort ins Bett und schlafen, so lange sie können. Bei der Frühschicht kann es hingegen sinnvoll sein, nach der Schicht nur kurz zu schlafen, um abends wieder wie gewohnt zur Ruhe zu kommen. Auch wenn es schwerfällt, müssen Schichtarbeiter auf ausreichend Schlaf achten. «Schlafdefizit bedeutet für den Körper Stress. Die Stimmung sinkt, und man ist geistig und körperlich nicht leistungsfähig.»

Der Partner muss mitmachen

Wie stark die Schichtarbeit belastet, ist eine Typfrage. Das hängt unter anderem vom Schlaf-Wach-Rhythmus - der inneren Uhr - ab. Wer einen längeren Schlaf-Wach-Rhythmus hat, komme besser mit Schichtdienst zurecht, sagt Hicklin. Gleiches gilt für Kurzschläfer, die weniger als sieben Stunden Schlaf brauchen. Im Alter macht der Schichtdienst häufig größere Probleme: «Dann verkürzt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus.»

Entscheidend ist auch, ob die Schichtarbeit als Übel oder Chance gesehen wird. «Die Motivation ist wichtig. Möchte jemand in Schicht arbeiten, kommt er besser damit zurecht», sagt Hicklin. Und auch das soziale Umfeld spielt eine Rolle: Es ist schwer, Schichtarbeit durchzuhalten, wenn der Partner nicht mitmacht.

Müdigkeit darf kein Dauerzustand werden

Doch auch wenn Umfeld und Motivation stimmen, gibt es Menschen, die mit den wechselnden Arbeitszeiten nicht zurechtkommen. Bei ihnen treten Schlafstörungen, Magen-Darm- und Kreislaufprobleme auf. «Man kann davon ausgehen, dass 20 bis 25 Prozent der Schichtarbeiter Schlafprobleme haben, 4 Prozent müssten eigentlich aus dem Dienst genommen werden», sagt Fietze. Spätestens wenn die Müdigkeit zum Dauerzustand wird und auch am Wochenende Schlafprobleme auftreten, sollte der Betriebsarzt oder ein Schlafmediziner aufgesucht werden.

In einigen Firmen werden die Schichten nach einer Woche rotiert - das galt früher als schonender, weil sich der Körper an veränderte Schlafzeiten anpasst. «Der Schlaf-Wach-Rhythmus verschiebt sich bei Nachtschicht pro Tag um 30 bis 45 Minuten vorwärts», erklärt der Schlafforscher Daniel Hicklin. Das Problem: Zurück geht es langsamer, nämlich nur 15 bis 20 Minuten pro Tag. Sind die Schichtarbeiter eine ganze Woche lang nachts im Einsatz, hat sich ihr Schlaf-Wach-Rhythmus so verschoben, dass es Probleme bei der Rückumstellung geben kann. (Carina Frey, dpa)


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