Negatives Beispiel in der EU:
Jeder fünfte Deutsche arbeitet für Armutslohn
12.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Auch Zeitverträge und unfreiwillige Teilzeitjobs bereiteten zunehmend Probleme: «Für viele Frauen ist Teilzeit die einzige Möglichkeit, überhaupt eine Arbeit zu finden», sagte der EGB-Fachmann Walter Cerfeda. Zudem hätten EU-weit 32 Millionen Beschäftigte nur einen befristeten Vertrag, 10 Millionen mehr als 1997. Die Zahl der Scheinselbstständigen sei seit dem Jahr 2000 von 20 auf 29 Millionen gestiegen. Der EGB forderte europäische Schutzklauseln.
EU-weit ist die Zahl schlecht bezahlter und unsicherer Arbeitsverhältnisse nach EGB-Angaben in den vergangenen zehn Jahren drastisch gestiegen. «Wenn sich das fortsetzt, wird der Widerstand gegen Europa wachsen», warnte Monks. 17 Millionen Arbeitnehmer in der Europäischen Union lebten bereits in Armut, 31 Millionen arbeiteten für Hungerlöhne. Die EU tue nicht genug, um die Lage zu verbessern.
Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europa-Parlament, Martin Schulz (SPD), forderte den EU-Gipfel ebenfalls zum Umsteuern auf. «Die soziale Sicherheit ist vom Wirtschaftswachstum abgekoppelt worden», sagte Schulz laut einer Mitteilung seiner Fraktion. Die Löhne hinkten hinter den Gewinnen der Unternehmen her. Deshalb müsse die EU ihre politischen Leitlinien ändern.
Die konservative EVP-Fraktion rief hingegen zum Festhalten an der sogenannten Lissabon-Strategie auf. Die darin festgelegte EU-Politik gebe «eine angemessene Antwort» auf die Herausforderung der Globalisierung, des demografischen Wandels und der Klimaveränderung. Die Europäer sollten für ihr Sozialmodell werben, sagte der EVP- Fraktionschef Joseph Daul in Straßburg. (dpa/AP)

