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EU fördert Austausch: 

Auch Azubis sollen im Ausland lernen

12. Mrz 2008 12:09
Auszubildende der Telekom in Antwerpen
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Viele Studenten machen es vor: Sie gehen für ein Teil ihrer Ausbildung ins europäische Ausland, gefördert vom Erasmus-Programm. Ein Projekt der EU probiert etwas Vergleichbares für Auszubildende.


Nokia lässt grüßen: Weil Arbeitsplätze in Europa wandern, will die EU auch Arbeitnehmer mobiler machen - damit sie leichter bessere Jobs finden. Wer in Zukunft auf dem europäischen Arbeitsmarkt eine Chance haben will, muss über die Stadtgrenze hinaus schauen. Derzeit lassen Europäer sich für einen Arbeitsplatz im Schnitt lediglich 30 Kilometer von ihrem Geburtsort nieder. Das will die EU ändern.

Acht Auszubildende der Deutschen Telekom machen das derzeit in Antwerpen vor. Eine von ihnen ist die 22-jährige Denise Pächnatz. Sie hilft Projektleiter Koen Bastiaens seit Januar, junge Europäer auf Betriebe in der belgischen Hafenstadt zu verteilen. «Ich hatte nie die Gelegenheit, ins Ausland zu gehen», sagt Bastiaens. Aber ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung und möglichst viele Fremdsprachenkenntnisse seien heutzutage einfach unumgänglich.

Das europäische Pilotprojekt gibt den Azubis für Bürokommunikation aus Berlin diese Chance: Sie bleiben drei Monate lang in Belgien. Die Arbeitssprache von Denise Pächnatz ist dort Englisch. Der Aufenthalt beinhaltet zudem einen Niederländisch-Kurs. Privat lernt sie noch Spanisch. Sorgen um die berufliche Zukunft hat sie nicht. «Wenn ich fließend Englisch und Spanisch kann, bin ich zufrieden», sagt sie.

Erasmus wird vor allem von Deutschen genutzt

Wie Pächnatz kommt die Mehrzahl der Projektteilnehmer aus Deutschland. Die Antragszahlen übersteigen in diesem Jahr bei weitem die Erwartungen. Verglichen mit dem Vorjahr ist die deutsche Nachfrage um 40 Prozent gestiegen.

In Brüssel gelten junge Deutsche wegen ihrer Offenheit für Auslandsaufenthalte als Musterbeispiele für die zukünftigen Herausforderungen des europäischen Arbeitsmarktes. Beim EU-Programm Erasmus, das Studenten Stipendien für ein oder zwei Semester im Ausland gewährt, kommen die meisten Teilnehmer stets aus Deutschland. Zuletzt waren es 23.000 pro Jahr.

Wie Studenten sollen auch Azubis regelmäßig die Möglichkeit bekommen, andere Kulturen, Sprachen und Mentalitäten kennenzulernen und somit wichtige Erfahrungen zu sammeln. Mit einem europaweit einheitlichen Leistungspunktesystem für die berufliche Bildung (ECVET) sollen sie dann in der Lage sein, einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland zu absolvieren. Die EU-Initiative, die das Antwerpener Pilotprojekt auf ganz Europa ausweitet, soll zudem die unterschiedlichen Ausbildungssysteme in Europa auf einen gemeinsamen Standard setzen und für Unternehmen vergleichbarer machen.

Start erst im Jahr 2012

In diesem Jahr wird die Kommission einen entsprechenden Vorschlag machen. Fachleute rechnen damit, dass das Projekt 2012 startet. «Das ist wirklich großartig. Das bedeutet eine große Zukunft für das europäische Bildungssystem», urteilt Bastiaens über ECVET.

«Wir wollen die Mehrsprachigkeit fördern, um etwas für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen zu tun», sagt der EU-Bildungskommissar Jan Figel. Die wichtigste Botschaft lautet: Neben Englisch sollen Studenten oder junge Arbeitnehmer mindestens noch eine weitere Sprache lernen. «Englisch allein ist in Zukunft kein Wettbewerbsvorteil mehr», meint die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave.

Auch Pächnatz hat das erkannt. Die junge Frau denkt bereits an weitere Auslandsaufenthalte. «Ich habe schon registriert, dass man hier in Antwerpen bessere Möglichkeiten hat», sagt Pächnatz. Für sie steht bereits fest, dass sie nach dem Ausbildungsende 2009 International Business studieren will. Ein Erasmus-Semester in Spanien ist da bereits eingeplant.

Doch deutsche Experten sehen bei den EU-Plänen zum europäischen Arbeitsmarkt auch Probleme. Brüsseler Diplomaten sind sich sicher, dass Unternehmen wie Nokia irgendwann komplett außerhalb der EU produzieren werden, weil die Kosten auch in Rumänien zu hoch werden. Sie fragen daher zugespitzt: «Was will die EU mit einem europäischen Arbeitsmarkt, wenn sie keine Industrie mehr hat?» (Carsten Lappe, dpa)

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