12.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Frauen leben in Deutschland eigentlich auch auf der Sonnenseite
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Angela Merkel regiert Deutschland, und Hillary Clinton könnte bald zum mächtigsten Menschen der Welt werden. Frauen sind längst da, wo sonst nur Männer waren. Also los, ihr anderen, worauf wartet ihr noch? fragt Domenika Ahlrichs .
Manchmal braucht es nur ein paar banale Worte, um ein ganzes Weltbild ins Wanken zu bringen. Aber. Du. Bist. Doch. Kein. Junge. Vorgetragen mit der liebreizenden Stimme einer Fünfjährigen. Ich wollte wie jeden Tag schwungvoll mit meinem Fahrrad aus der Einfahrt rollen, als sich das Mädchen mir in den Weg stellte.
«Hier kommt keiner durch!» Die Arme ausgebreitet stand sie da, die kleine Tochter aus sehr gutem Hause, Spross gebildeter, weltgewandter Eltern. «Aber ich muss doch zur Arbeit!», protestierte ich. «Arbeit?? Aber du bist doch kein Junge!» Zack, das saß. Frauenrechtlerinnen, Danke für euer Bemühen, aber es klappt einfach nicht mit der Emanzipation.
Die hat gut reden, könnte man jetzt sagen, sitzt selbst auf einem Chefsessel, wurde nie irgendwo bei irgendwas behindert, weil sie eine Frau ist. Wo soll denn da bitteschön das mit der Emanzipation nicht geklappt haben?! Das ist es ja gerade, was mich so geschockt hat daran, dass der hoffnungsvolle Nachwuchs von nebenan mir im doppelten Wortsinn den Weg zur Arbeit versperren wollte. Für manche von uns ist es absolut selbstverständlich, dass Frauen hierzulande genau wie Männer in ihrem Beruf vorankommen. Andere jedoch bringen sogar ihren Kindern noch bei, dass «Jungen» zur Arbeit gehen, «Mädchen» hingegen zuhause bleiben. Vielleicht hat die Kleine das ja auch im Kindergarten so gehört. Das macht die Sache nicht besser.
Letztlich ist es da kein Wunder, dass Frauen, wie die «Zeit» anlässlich des Weltfrauentags berichtete, in Deutschland rund ein Viertel weniger Gehalt als Männer bekommen - für gleiche Arbeit. Erklärungsversuch: In Führungsetagen sitzen vor allem Männer. Sie sind es gewohnt, die Hauptverdiener zu sein und schließen unbewusst von sich auf andere. Frauen kommen in diesem Bild als Zuverdiener vor, ihr Beruf als Nebentätigkeit. Und das, obwohl rund 70 Prozent aller Frauen in Deutschland erwerbstätig sind.
Ganz so simpel ist es allerdings nicht. Wir Frauen gehören mal kräftig geschüttelt, wenn es ums selbstbewusste Verhandeln von Gehältern geht. «Für viele ist Geld ein Tabuthema», sagt Karriereberaterin Cornelia Topf der «Zeit». «Häufig sind sie auch zu bescheiden, oder es ist ihnen peinlich, mehr zu fordern.» Das klingt deutlich danach, als hätten wir Frauen das blöde alte Rollenbild auch noch nicht so ganz überwunden.
Also los, bitte endlich weg damit! Deutschland wird von einer Frau regiert, die USA hoffentlich bald auch. Es wird Zeit, dass wir dies als Normalfall betrachten und es vor allem auch unseren Kindern genau so vermitteln. Liebend gern darf mich dann jedes beliebige Mädchen auf meinem Arbeitsweg stoppen. Das, was ich dann hören will, muss jedoch mindestens so klingen: «Arbeit? Aber wo ist denn dein großes Auto?» - «Ich fahre lieber Fahrrad», würde ich dann sagen. Frau muss ja nicht alles mitmachen, was Männer in Machtpositionen so vorleben.