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Am Arbeitsplatz kein Weichei sein

11. Feb 2008 10:36
Bei Kritik am Arbeitsplatz braucht man eine dicke Haut
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Der Chef hat wieder nicht gegrüßt, der Kollege ist unfreundlich, dann passiert auch noch ein Fehler und wird bemerkt - der Arbeitsplatz kann voller Kränkungen sein. Aber nur, wenn man es so sehen will.

Was den einen kalt lässt, kann den anderen tief verletzen. Nicht immer fällt das gleich auf, oft wird es dennoch zum Problem, nicht zuletzt am Arbeitsplatz. «Manche Menschen sind einfach sehr empfindlich», sagt die Managementtrainerin Irene Becker aus München. Kränkungen sind dennoch kein Schicksal.

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«Arbeitnehmer stehen heute oft unter hohem Stress», erläutert Susanne Klein. «Die Haut ist bei vielen dünner», so die Führungskräfteberaterin aus Darmstadt. «Manches wirkt dann schneller verletzend als früher.» Als kränkend kann vieles empfunden werden: «Wenn der Chef den einen freundlich grüßt und dem anderen nur stumm zunickt zum Beispiel», sagt Anne Katrin Matyssek, Psychologin aus Düsseldorf. Führungskräfte, die Federn lassen mussten, erleben das ihrerseits oft als Kränkung.

Sich gekränkt fühlen kann ganz normal sein

Das wird nicht unbedingt an die große Glocke gehängt: «Am Arbeitsplatz gibt es eher die Tendenz, Kränkungen zu kaschieren, schon um nicht als Weichei dazustehen», betont Irene Becker. Dabei ist es normal, auf mangelnde Anerkennung oder Kritik gekränkt zu reagieren. Nur wer sich ständig verletzt fühlt, hat möglicherweise ein Problem. Ein erster Schritt zum Umgang damit sei, sich bewusst zu machen, dass Verletzungen nicht einfach «von außen kommen», sondern immer auch damit zu tun haben, wie man darauf reagiert, sagt Klein.

Frauen und Männer werden am Arbeitsplatz gleichermaßen mit Verletzungen konfrontiert, sagt Susanne Klein. Aber Männer gehen anders damit um. «Sie werden von Kritik und Angriffen oft weniger getroffen, auch weil sie mehr Erfahrung mit Konkurrenten haben. Frauen trifft es deshalb härter.» Sie brauchten oft auch länger, um Verletzungen zu verarbeiten. Hinzu kommt, dass Männer zum Teil aggressiv reagieren, wenn sie gekränkt oder kritisiert werden. «Frauen reagieren eher auto-aggressiv.»

Humorvolle Distanz versuchen

Natürlich könne man diejenigen, die einen kränken, bitten, mehr Rücksicht zu nehmen oder ihre Kritik vorsichtiger zu formulieren. «Aber es ist immer leichter, sich selbst zu ändern als andere», sagt Klein. Ein Schritt nach vorn sei daher, sich zu überlegen «Wie kann ich auf Angriffe reagieren? Kann ich mich humorvoll distanzieren?» Entscheidend sei, nicht auf dem Standpunkt stehen zu bleiben «Ich bin gut, die anderen sind die Bösen».

Wer sich eine dickere Haut wünscht, kann durchaus etwas tun: «Es hat viel mit den eigenen Denkgewohnheiten zu tun, die muss man ändern», sagt Irene Becker. «Es gibt Menschen, die geben immer gleich sich selbst die Schuld, wenn etwas schief läuft.» Manche übertrieben auch die möglichen Folgen einer Entscheidung. Oder negative Erfahrungen werden für zwangsläufig gehalten - nach dem Motto «Nächstes Mal geht es wieder schief».

Nicht so viel Angst haben

«Die Betreffenden sollten sich fragen, ob es realistisch ist, so zu denken», rät Becker. Wer zum Beispiel sofort Angst vor drastischen Folgen hat, kann lernen, solche Risiken besser einzuschätzen: «Wie wahrscheinlich ist das, dass mir gekündigt wird, weil ich einen kleinen Fehler gemacht habe?» Wer sich dann klar macht, dass ihm kaum etwas passieren wird, fühlt sich vermutlich schon etwas besser. (Andreas Heimann, dpa)

Literatur:
Irene Becker: Endlich Rose statt Mimose, Campus, ISBN 978-3-593-38097-1, 14,90 Euro
Susanne Klein: Wenn die anderen das Problem sind, Gabal, ISBN 978-3-897-49724-5, 10 Euro.

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